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Deutsch

Die Zeitlichkeit biographischer Erfahrung. Für ein erweitertes Verständnis des Biographiekonzepts


Christian Kupke
[Journal für Philosophie & Psychiatrie, September 2011, Original paper]

Zusammenfassung

Jedes Biographieverständnis setzt ein bestimmtes Zeitverständnis voraus. Versteht man die Zeit lediglich chronogenetisch als eine lineare Folge von Ereignissen, reduziert sich die Biographie eines Menschen auf die Summe faktisch vorliegender, erlebter Ereignisse aus der Vergangenheit; sie wird zu einer statischen Entität. Versteht man die Zeit dagegen in ihrer dreidimensionalen Tiefenstruktur und in ihrem biographischen Mitteilungscharakter, erweitert sich der Begriff der Biographie; sie wird zu einer dynamischen Entität. Durch den vorliegenden Text, der anlässlich eines Vortrages auf der DGPPN-Tagung im November 2009 und eines weiteren Vortrags auf der 16. Jahrestagung der Victor von Weizsäcker Gesellschaft im Oktober 2010 entstand, soll die angesprochene Differenz im Biographiebegriff erläutert und für die Biographiearbeit fruchtbar gemacht werden. Die Ergebnisse der Analyse werden am Schluss des Textes in zehn weiterführenden Thesen zusammengefasst.

Schlüsselwörter: Zeit, Biographie, Individualität, Subjektivität, Intersubjektivität, Erleben, Erzählen

Abstract

The temporality of biographical experience. Towards an expanded understanding of the notion of biography
There is no biography without time and no biographical experience without experiencing time. But reducing time to a linear series of events means that any biography is a summation of what has happened in the past; it becomes a static entity. On the other hand, time has its own dimensional structure, and every biography is communicated within this structure, so that it becomes a dynamic entity. The following text deals with that difference and its consequences for biographical work, especially in a psychiatric framework. At the end of the text the reader will find ten theses that may serve as a basis for further conceptual work.

Key words: time, biography, individuality, subjectivity, intersubjectivity, experience, narration

1. Das gewöhnliche Verständnis von Biographie und das übliche Vorgehen in der Biographiearbeit

Unter einer Biographie versteht man in der Biographieforschung im Allgemeinen die subjektive Biographie: die sprachlich oder schriftlich, eben "graphisch" mitgeteilte bzw. beschriebene Lebensgeschichte eines Menschen, d.h. die Mitteilung dessen, was die Griechen im Unterschied von der "zōé", dem natürlichen Leben, das allen Lebewesen zukommt, als "bíos" bezeichnet haben.

Manchmal wird die Biographie aber auch einfach, in objektivistischer Verkürzung, ohne Rücksicht auf die Mitteilung, mit der Lebensgeschichte, dem "bíos" selbst gleichgesetzt, also mit dem, was man in den Sozialwissenschaften als "Lebenslauf" begreift (dort unterschieden von der Biographie) oder einfach als objektive Biographie bezeichnen könnte.

Mit der Rede von der Biographie eines Menschen meint man dann, ganz unabhängig von irgendeiner vorliegenden Beschreibung oder Mitteilung, die Erlebnisse, die einen Menschen in seinem Leben geprägt haben, die Erfahrungen, die er in seinem Leben gemacht hat, die Kenntnisse, die er sich erworben hat, die Gewohnheiten, die er sich angeeignet hat etc., kurz diejenigen Lebensmomente, durch die das Leben eines Menschen insgesamt zu einem individuellen Leben geworden ist

In der z.B. psychiatrischen Biographiearbeit werden nun diese Erlebnisse, Erfahrungen, Kenntnisse und Gewohnheiten eigen- und fremdanamnestisch erhoben und in ihrer Relevanz für die Krankheitsgeschichte des Patienten ausgewertet, um auf diese Weise ein umfassendes Bild von der Persönlichkeit des Kranken zu bekommen, v.a. seiner Entwicklung vor dem Einsetzen der aktuellen Symptome und auch der sozialen Verhältnisse, die ihn geprägt haben (Herkunft, Familie, Ausbildung, Beruf etc.).

Die Biographiearbeit ist also in der Psychiatrie als Teil der Anamnese, recht verstanden, eine Erhebungsarbeit, die reflexiven Charakter hat - und zwar insofern, als sie sich auf auto- oder intersubjektive Mitteilungen des Betroffenen oder Betroffener stützt und nicht direkt, gleichsam objektiv, am Verhalten des Betroffenen abgelesen werden kann.

Deshalb ist die soeben erwähnte objektsprachliche Redeweise, die vom Mitteilungscharakter der jeweiligen Lebensgeschichte abstrahiert, auch nicht ganz unproblematisch, denn sie blendet genau diese entscheidende - auto- oder intersubjektive - Vermittlung des biographischen Gehalts aus dem Verständnis des Biographischen aus (vgl. zur Kritik etwa Blankenburg 1986; generell auch Thomä 1998).

Damit habe ich schon angedeutet, worauf es mir im Folgenden ankommen wird, nämlich auf eine weitgehende begriffliche Entobjektivierung und - was die Biographiearbeit betrifft - auch Entformalisierung des Biographieverstehens. Dafür scheinen mir zwei relativ sinnfällige, vielleicht auch sogar triviale Beobachtungen einen guten Ausgangspunkt zu bieten.

Erstens, bezogen auf die Eigenanamnese: Der Stil oder die Form des Offenlegens der eigenen Biographie ist immer schon von dieser selbst geprägt. Oder, bezogen auf die Fremdanamnese: Die biographischen Details, die man aus dem Leben eines Menschen mitteilen kann, sind im Allgemeinen Produkte der Überschneidung der mitgeteilten mit der eigenen Biographie (was besonders in der Familienanamnese deutlich wird). Das heißt: Die Biographie eines Menschen ist letzten Endes uneinholbar, sie kommt uns immer schon zuvor.

Und zweitens, das Offenlegen der eigenen Biographie in einer Institution wie der der Psychiatrie ist nicht nur einfach ein beiläufiger sprachlicher Akt, sondern eingebettet in einen hochartifiziellen "Rahmen" (vgl. Goffman 1974) lebensstabilisierender Untersuchungs-, Therapierungs- und eventuell auch Medikamentierungstechniken, die selbst zu einem - je nach Dauer und Intensität nicht unerheblichen - Teil der Biographie werden. M.a.W., die spezifische, für die Psychiatrie kennzeichnende Offenlegung der Biographie ist selbst eine biographische Erfahrung und hat als solche unmittelbare Rückwirkung auf die Mitteilung der Erfahrung.

Eine Biographiearbeit, die datenorientiert bleibt, also sich nur darauf beschränkt, so genannte 'life events' aus der Vergangenheit des Patienten chronogenetisch abzurufen (vgl. zur Übersicht Katschnig/Nouzak 1999), und daher dazu tendiert, ihr reflexiv-dialogisches Gewicht sowie den Mitteilungscharakter der Biographie zu ignorieren, geht damit an den entscheidenden Problemen der Offenlegung einer Biographie vorbei. Wesentliche dynamische, sinnorientierte Aspekte biographischen Erlebens und Mitteilens werden vernachlässigt. Und weil sie vernachlässigt werden, wird Biographiearbeit zunehmend zu einem bloßen Anhängsel psychiatrischer Arbeit.

Biographiearbeit wird dann oft nicht mehr von den verantwortlichen Psychiatern selbst geleistet, sondern - als lästige Informationsbeschaffungs- und Dokumentationspflicht - an Kräfte, z.B. Pflegekräfte delegiert, die in die Behandlung selbst nicht eingebunden sind oder, was ebenso problematisch ist, niemals eingebunden werden. Der zeitaufwändige reflexive Prozess wird formalisiert und rationalisiert, der sprachliche und dialogische Prozess auf ein Minimum reduziert.

2. Kritische Hinterfragung der Voraussetzungen im Verständnis von Biographie und Biographiearbeit

Worin hat diese Beschränkung und Vernachlässigung ihren Grund? Um daran mitzuwirken, dem Begriff der Biographie wieder größeres qualitatives Gewicht in der Psychiatrie zu geben, möchte ich als Philosoph zwei Voraussetzungen hinterfragen, die mit dem Begriff der Biographie und mit der Biographiearbeit fast stets verbunden sind: zum einen die Annahme, dass es in der Biographie ausschließlich um das gelebte oder erlebte Leben eines Menschen geht, und zum anderen die Annahme, dass es sich dabei um ein Leben nach Maßgabe einer chronologisch abgelaufenen bzw. ablaufenden Zeit handelt. - Ich gehe im Folgenden auf beide Voraussetzungen jeweils gesondert ein und werde dann in einem weiteren Teil die entsprechenden Konsequenzen aus der Kritik dieser Voraussetzungen ziehen.

2.1

Fast selbstverständlich wird in den mir näher bekannten Formen der Biographiearbeit - in der psychiatrischen Pflege und in der Altenpflege - davon ausgegangen, dass es sich bei dem in der Biographie oder durch die Biographie vermittelten Leben eines Menschen stets um das von ihm gelebte oder erlebte Leben handeln müsse. Denn - so wird argumentiert - von dem, der seine Biographie offenlege, lasse sich immer nur selber Erlebtes oder Gelebtes authentisch, als zum eigenen Leben gehörig, mitteilen, und auch nur dies sei letzten Endes relevant für den weiteren ärztlichen oder pflegerischen Umgang mit dem Betreffenden.

Aber ist das wirklich überzeugend? Engt man damit den Begriff der Biographie nicht unnötig und zum Teil auch fahrlässig ein? Gegen den damit schon angedeuteten Reduktionismus und Formalismus im Biographieverstehen möchte ich behaupten: Nicht nur das, was man erlebt oder gelebt hat, ist prägend für eine Biographie, sondern auch - und gerade - das, was man nicht erlebt und gelebt hat (vgl. Theunissen 2001). Dieses Nicht-Erlebte und -Gelebte gehört zur Biographie eines Menschen konstitutiv dazu, und zwar in einem mehrfachen Sinne:

Zunächst gehört es zur Biographie eines Menschen in dem schlichten, logischen Sinn, dass jedes Erleben ein anderes Erleben ausschließt: Jemand, der nach den zwei Weltkriegen geboren wurde und in Deutschland aufgewachsen ist, hat nie Kriegserfahrungen machen müssen; oder jemand, der in wohlhabenden oder wohlbehüteten Verhältnissen aufgewachsen ist, hat nie erlebt, was Armut ist usw. usf. Das mag trivial erscheinen, wird aber relevant, wenn man diese Logik des Ausschlusses auf das innere Zeiterleben des Menschen bezieht. So mag sich jemand möglicherweise sein halbes Leben lang intensiv etwas gewünscht haben, das nie eingetreten ist, er mag Ängste gehabt haben, die nie wahr wurden, oder er mag einen Lebensplan verfolgt haben, den er nicht realisieren konnte. Auch in diesem Sinn, dem einer vergangenen Zukunft, ist das Nicht-Erlebte oder -Gelebte offenbar konstitutiv für die Lebensgeschichte eines Menschen. Ich werde auf diesen Aspekt im weiteren Verlauf meiner Ausführungen noch gesondert eingehen.

Sodann gehört zu dem, was wir nicht erlebt oder gelebt haben - zumindest nicht erlebt oder gelebt haben in der Weise, dass wir es einfach offenlegen oder mitteilen könnten - das, was in einem starken, psychoanalytischen Verständnis unbewusst geblieben ist. Die Ausgrenzung der Psychoanalyse aus dem psychiatrischen Diskurs hat in diesem Punkt zu einer nicht unerheblichen Einschränkung des Biographieverständnisses geführt. Denn was auch immer man von der Krankheits- und Behandlungslehre der Psychoanalyse halten mag, die Anerkennung eines individuellen und möglicherweise auch kollektiven Unbewussten gehört ganz wesentlich zu einem modernen und aufgeklärten Verständnis von Biographie dazu.

Und schließlich wird man auch diejenigen, das eigene Leben weit überspannenden Wirkungsfelder nennen müssen, die man gar nicht direkt erlebt oder gelebt haben kann, sondern die den jeweiligen Lebens- und Erlebensformen sowie dem Bewusstsein und dem Unbewussten immer schon zuvorkommen, wie z.B. die familiäre Vorgeschichte eines Menschen, bestimmte, etwa kulturelle Aspekte seines habituellen Umgangs mit anderen in einer Gemeinschaft oder einer Gesellschaft und - last not least - einer bestimmten Sprachgemeinschaft, in der er aufgewachsen ist, gelebt hat oder immer noch lebt. Hier wären also all die mikro-, sozio- und kulturhistorischen Einflussfaktoren zu nennen, die für das Verstehen einer Biographie mindestens ebenso wichtig sein können wie selber mitgeteilte Erlebnisse und Erfahrungen oder auch die in der Biographiearbeit so beliebten makrohistorischen Daten und Fakten.

Das empiristische, auf die Empirie der einzelnen Person reduzierte Biographieverständnis muss also um eine Vielzahl von Aspekten erweitert werden: Es muss von der eigen- und fremdanamnestischen Erkundung des Erlebten und Gelebten aus um die Dimension des Nicht-Erlebten oder Nicht-Gelebten erweitert werden; es muss von der Mitteilung des Bewussten und Bewusstseinsfähigen aus um die Dimension des individuellen und kollektiven Unbewussten erweitert werden; und es muss von der Ansammlung der für die objektive Biographie relevanten makrohistorischen Daten und Fakten aus um die Dimension mikrohistorischer, insbesondere sozio- und kulturhistorischer Einflussfaktoren erweitert werden.

2.2

Ebenso selbstverständlich und unreflektiert, wie man in der Biographiearbeit von einem empiristischen Biographieverständnis ausgeht und implizit annimmt, dass die Lebensgeschichte eines Menschen stets die mitteilbare Geschichte eines erlebten und gelebten Lebens ist, so ist man im Allgemeinen auch davon überzeugt, dass es sich bei diesem Leben um ein Leben in der chronologischen Zeit bzw. um ein chronologisch abgelaufenes bzw. ablaufendes und deshalb auch entsprechend darzustellendes Leben handelt. Das heißt, der geläufige Biographiebegriff ist nicht nur ein empirischer, sondern auch ein chronologischer.

Man sagt dann, der Chronologie folgend, das Leben des Betreffenden sei in der Zeit so und so abgelaufen, und listet dementsprechend zeitlich sukzedierende Ereignisse der frühen und späteren Kindheit, der Schulzeit, des Berufslebens, des Lebens in der eigenen Familie, des Älterwerdens usw. auf und erhofft sich auf diese Weise der chronogenetischen Logik eines gelebten Lebens näher zu kommen.

Dass dies eine wesentliche Verkürzung, und zwar erneut eine objektivistische Verkürzung darstellt, dürfte allerdings schon an der soeben dargestellten Möglichkeit der vergangenen Zukunft deutlich geworden sein, und wurzelt in einem Missverständnis - hier in einem Missverständnis dessen, was Vergangenheit heißt. Die Vergangenheit wird, wie das gesamte Leben eines Menschen, als eine objektive Kette von vergangenen Ereignissen ohne eigene zeitliche Tiefenstruktur verstanden. Es wird verkannt oder nicht ernst genommen, dass die Vergangenheit selbst durch ein bestimmtes Gegenwartserleben ausgezeichnet war, das seine eigene Vergangenheit und Zukunft hatte, und dass es nicht nur das Vergangene selbst, sondern diese zeitliche Tiefenstruktur ist, die auch das Gegenwartsleben und -erleben eines Menschen wesentlich bestimmt und strukturiert.

Wie kann man nun diese zeitliche Tiefenstruktur genauer verstehen? Wir gehen im Allgemeinen davon aus, dass wir in der Zeit leben und mit ihr unaufhaltsam voranschreiten: Was gestern geschah, kann ich nicht revidieren; und was morgen geschehen wird, mag zwar noch nicht feststehen, aber dass es (bzw. etwas) geschehen wird, daran lässt sich vernünftigerweise nicht zweifeln. Man könnte sagen, dass wir von der Zeit, von ihrem unaufhaltsamen Progress, getrieben werden, dass es kein Halten gibt und dass, was auch immer in unserer Biographie geschehen mag, die Zeit darüber hinweg gehen und unendlich voranschreiten wird.

Aber das ist, genau genommen, nur die eine Seite der Medaille, nur die eine Seite - man könnte behaupten: die natürliche Seite - unserer Existenz. Denn ebenso wie wir von der ablaufenden Zeit in unserem Leben formal bestimmt werden, unterliegt das, von dem wir bestimmt werden, immer auch unserer eigenen Gestaltungskraft. Denn die Zeit, so wie wir sie innerlich erleben, die Zeit unserer biographischen Erfahrung, besitzt eine eigene, dreidimensionale Struktur, die des Zukünftigen, Vergangenen und Gegenwärtigen, die dem unweigerlichen Voranschreiten der Zeit überhaupt erst eine eigene - ich möchte sagen: biographische und kulturelle - Tiefe gibt.

Das Beispiel der vergangenen Zukunft, das ich soeben angeführt habe, mag dies verdeutlichen: Vergangen sind eben nicht nur die Ereignisse, die mich chronogenetisch geprägt haben und die, insofern sie mich geprägt haben, auch nicht vergangen sind. Vergangen - und ebenso nicht vergangen - sind auch die Zukunftshorizonte meiner Pläne, Wünsche, Ängste, Befürchtungen etc., die, wenn sie eingetreten sind, mein Leben ebenso bestimmt haben und weiterhin bestimmen werden wie die, die nicht eingetreten sind.

Insofern muss man im Blick auf die Biographie eines Menschen immer beide Aspekte im Auge behalten: Wir werden nicht nur von der Zeit gelebt, sondern wir leben die Zeit auch selbst. Und das heißt: Wir sind nicht eigentlich in der Zeit, die Zeit ist nicht das Haus des Seins, in dem wir wohnen oder nicht wohnen, in dem wir ein- oder ausgehen können, sondern, wie man existenzphilosophisch sagen könnte, wir existieren die Zeit (zum transitiven Verständnis von 'sein' vgl. Lévinas 1981, 27). In gewisser Weise sind wir selbst Zeit (vgl. Merleau-Ponty 1945, 466ff). Und wir sind eben die Zeit, der wir unser eigenes biographisches und kulturelles Gepräge gegeben haben - und, solange wir leben, weiterhin geben.

3. Konsequenzen aus der Kritik der Voraussetzungen im Verständnis von Biographie und Biographiearbeit

Welche Konsequenzen sind nun aus einer solchen doppelten Kritik des gewöhnlichen, empirischen und chronologischen Biographieverständnisses zu ziehen, und zwar insbesondere für die Biographiearbeit in psychiatrischen Institutionen? Um diese Frage zu beantworten, wende ich mich zunächst dem nicht-empirischen und sodann dem nicht-chronologischen Biographieverständnis zu. Mein Hauptaugenmerk gilt dabei der in der Biographiearbeit versäumten Erzählens- und Zeitigungsdimension, durch die eine Biographie überhaupt erst ihren konkreten, und das heißt einmaligen Charakter erhält.

3.1

Wodurch zeichnet sich ein erweitertes, nicht-empirisches Biographieverständnis aus? Wie kann es positiv gekennzeichnet werden? Und welche Konsequenzen hätte ein solches Verständnis für die Biographiearbeit? - Wie ich soeben kurz dargestellt habe, müsste ein erweitertes, nicht-empirisches Biographieverstehen über die unmittelbare Lebensgeschichte eines Menschen, d.h. über das, was er erlebt und gelebt hat, hinaus auch auf das Bezug nehmen, was er nicht erlebt und gelebt hat, und zwar in dem dreifachen Sinne dessen, was er erlebt und gelebt haben könnte, was unbewusst geblieben ist und was ihn über sein Bewusstsein und Unbewusstes hinaus nicht nur makro , sondern auch mikrohistorisch, sozial und kulturell geprägt hat.

Das bedeutet aber, dass der einzelne, individuelle Patient als dieser individuelle, der er ist, sehr viel stärker in den Mittelpunkt des psychiatrischen Handelns rücken müsste als dies gegenwärtig noch unter den institutionellen, auf zeitliche und ökonomische Effizienz ausgerichteten Bedingungen psychiatrischen Handelns möglich ist. Denn entgegen einer landläufigen Meinung bedeutet die Berücksichtigung von Faktoren, die nicht die unmittelbare Lebensgeschichte eines Menschen betreffen, gerade nicht ein Absehen von, sondern im Gegenteil ein Hinsehen auf dessen Individualität, - ein Ernstnehmen derjenigen Bedingungen, durch die ein Mensch zu demjenigen Einzelnen wurde und wird, der er ist, eben zu einem Individuum (und nicht, wie manchmal philosophisch unreflektiert gesagt wird, zu einer Person oder gar zu einem Subjekt; vgl. Kupke 2007).

Dass das Individuum, wie der mittelalterliche Grundsatz 'individuum est ineffabile' sagt, unbeschreibbar oder unaussprechlich ist, hat in der Moderne nämlich einen völlig anderen Sinn, als dies noch im Mittelalter der Fall war. Hatte man im Mittelalter, ausgehend von einer schon in der Antike, vor allem bei Platon vorgeprägten Auffassung, angenommen, dass alles, was sich verändert und geschichtlich wird, selbst nicht aussagbar und beschreibbar ist, sondern allenfalls aussagbar und beschreibbar im Hinblick auf das an ihm Unveränderliche, so gehen wir heute von der nahezu entgegengesetzten Auffassung aus. In der Moderne scheint uns gerade das Veränderliche begreifbar und das Unveränderliche - wenn man von einem solchen überhaupt noch sprechen kann - allenfalls begreifbar im Hinblick auf das an ihm Veränderliche.

Das aber hat weitläufige Folgen für die Praxis unseres Biographieverständnisses. Denn die Biographie und damit die Individualität eines Menschen zu verstehen und zu begreifen ist nach dieser unserer modernen Auffassung ein offenes, unendliches und unabschließbares Unterfangen. Der Totalität einer Biographie, also dem Unveränderlichen an ihr, können wir uns, wenn überhaupt, allenfalls noch im Durchgang durch das Veränderliche nähern. Und das heißt: Dieser Durchgang ist ein offener und unendlicher und findet noch nicht einmal - wie professionelle Biographen wissen - mit dem Tod einer Person sein Ende. Denn schon allein die sprachliche Vermitteltheit aller biographischen Erfahrung, ob sie nun selbst- oder fremdvermittelt ist, lässt ein abschließendes Verstehen und Begreifen nicht zu.

Genau das führt aber in der Praxis unseres Biographieverständnisses - also in der institutionalisierten Biographiearbeit, in der pragmatische, v.a. ökonomische Kriterien eine immer größere Rolle spielen - zu einer gewissen, die Hermeneutik des Biographischen missverstehenden Resignation. Weil es einen erheblichen Aufwand an Zeit und Geld bedeuten würde, einem im genannten Sinne erweiterten Biographieverstehen zu folgen, und weil man mit diesem Verstehen ohnehin an kein Ende kommen könnte (was stets den Verdacht der Beliebigkeit und Willkür auf sich zieht, dem z.B. die Psychoanalyse immer wieder ausgesetzt ist), beschränkt man sich auf das Naheliegende, die unmittelbare Lebensgeschichte, und verkennt dabei die schon angeführte Komplexität der Biographie: dass die biographischen Auskünfte eines Menschen immer schon von dem geprägt sind, über das sie Auskunft geben (reflexive Biographie), und dass sich ihr Sinn verändern kann, je nachdem, wer sie mitteilt und wem und in welchem Kontext sie mitgeteilt werden (dynamische Biographie).

Diese Komplexität ernst zu nehmen, würde bedeuten, dem Medium der Biographie, der Sprache, und der für sie spezifischen Form, dem erinnernden Erzählen - als Prozess und nicht so sehr als Produkt - größere Aufmerksamkeit zu widmen. Denn es ist die im Erzählen erinnerte Zeit eines Menschen, die es im eigentlichen Sinne überhaupt erst möglich macht, dass er eine Biographie hat und damit einem Anderen als dasjenige Individuum, das er ist, kenntlich wird (vgl. zur strukturellen Reziprozität von Zeitlichkeit und Narrativität Ricoeur 1980 u. 1985).

Stattdessen wird aber in der psychiatrischen Biographiearbeit der objektsprachlichen Mitteilung, dem Bericht über die jeweiligen Lebensereignisse (den so genannten 'life events') viel größeres Gewicht beigemessen, d.h. es wird dem für die Biographie konstitutiven narrativen Moment - einem spezifisch ethisch Ästhetischem unserer Existenz (vgl. Thomä 1998, 7ff u. 264ff) - kaum noch Raum gegeben. Und weil ihm kaum noch Raum gegeben wird, wird auch das Zuhören immer schwieriger und mühseliger, bis es auf dasjenige, heute allerorten praktizierte Minimum reduziert wird, das allenfalls für die einigermaßen akkurate Führung der psychiatrischen Akten erforderlich ist.

3.2

Wodurch zeichnet sich nun, neben dem nicht-empirischen Biographieverständnis, das nicht-chronologische Biographieverständnis aus? Wie kann auch dieses positiv gekennzeichnet werden? Und welche Konsequenzen hätte auch ein solches Verständnis für die Biographiearbeit? - Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass die Chronologie der Ereignisse einer Biographie nur die eine Seite unserer Existenz darstellt, nämlich die, nach der wir in der Zeit leben, aber nicht die, nach der wir die Zeit selbst leben, sie existieren. Weil Psychiater und auch Pflegekräfte diesen Aspekt oft nicht im Auge haben, reduziert sich für sie die Vergangenheit eines Menschen nicht selten auf eine bloße Kette von vergangenen Ereignissen; und auch die situative Gegenwart des Patienten (in der Klinik z.B.) nehmen sie nicht eigentlich als eine Zeit wahr, die für den Patienten einen eigenen Vergangenheits- und Zukunftshorizont hat.

Worauf ich damit hinaus will, ist die verkannte Dimensionalität der Zeit, die ich weiter oben bereits als Tiefenstruktur der Zeit gekennzeichnet habe und die unserem Leben überhaupt erst so etwas wie Intensität gibt. Dabei meint die Dimensionalität der Zeit nicht nur, dass sich uns die Zeit, die wir selbst leben und zu existieren haben, allererst in den drei Dimensionen der Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart erschließt, sondern auch, dass jede dieser drei Dimensionen selbst ihre eigene Dimensionalität aufweist: die Vergangenheit mit ihrer je eigenen, nämlich vergangenen Zukunft, die Zukunft mit ihrer je eigenen, nämlich zukünftigen Vergangenheit und schließlich die jeweilige Gegenwart, in der genau diese Dimensionen, Vergangenheit und Zukunft, vergangene Zukunft und zukünftige Vergangenheit zu einem integralen Ganzen verbunden sind.

Biographiearbeit heißt dann: genau diese Mehrdimensionalität und Integralität der Zeit im Blick zu haben, bzw. konkreter: anzuerkennen, dass die Biographie eines Menschen nicht nur Resultat seiner Vergangenheit, sondern auch seiner Zukunft ist. Das scheint auf den ersten Blick paradox, denn wie kann die Zukunft, insofern sie ja, wenn sie denn Zukunft ist, nicht eingetreten oder noch nicht geschehen ist, einen genetischen Faktor in der Biographie eines Menschen darstellen? Die Paradoxie löst sich auf - oder wird zumindest relativiert - wenn man bedenkt, dass jeder Mensch immer auch aus seinem eigenen Zukunftsbezug heraus existiert, und wenn man dabei zunächst an die bereits weiter oben erwähnte vergangene Zukunft denkt.

Es leuchtet nämlich aus vielerlei Gründen ein, dass das, was einmal die Zukunft eines Menschen war, also seine vergangene Zukunft, bedeutsam sein kann sowohl für das Verstehen möglicher psychodynamischer Ursachen seelischen Leidens als auch für das, was man die 'biographischen Potentiale' eines Menschen nennen kann. Dieser ist dann nämlich in der Gegenwart auf die Zukunft so bezogen, dass die Erfahrungen vergangener, enttäuschender oder bestätigender Zukunftsbezüge in den gegenwärtigen Zukunftsbezug qualifizierend mit eingehen (vgl. beispielhaft Süsske 2000). Ich brauche, denke ich, nicht zu betonen, dass das für die Frage nach den therapeutischen Möglichkeiten von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist, - was allerdings voraussetzt, dass in der Biographiearbeit dem schon angesprochenen erinnernden Erzählen größerer Raum gelassen wird, weil nur in einem solchen Erzählen eine derart diffizile Qualität der Zeiterfahrung überhaupt vermittelbar ist. Das bloße Wissen darum, dass bei einem Patienten ein vergangenes 'life event' für ein hohes Maß an Vulnerabilität verantwortlich ist, deckt diese Zeiterfahrungsqualität in keiner Weise ab.

Eine etwas andere Bewandtnis hat es dagegen mit dem zweiten Zeit-Aspekt, der in die Gegenwartserfahrung gleichermaßen qualifizierend eingeht, der der zukünftigen Vergangenheit. Hier spielt der weiter oben schon kurz erwähnte Umstand eine gewichtige Rolle, dass die spezifische, für die Psychiatrie kennzeichnende Offenlegung der Biographie selbst eine biographische Erfahrung darstellt. Denn dies wird im Allgemeinen von den Patienten und auch gerne von den behandelnden Psychiatern vergessen, wird aber relevant, wenn man einen Patienten dazu auffordert, sich, so paradox es klingen mag, an seine zukünftige Vergangenheit zu erinnern. Das heißt, ausgehend von seiner gegenwärtigen Situation soll der Patient sich sein zukünftiges Leben imaginieren und sich von dieser Phantasie aus - und in ihr - gleichsam rückblickend auf seine Gegenwart beziehen. Genau in diesem Ausgriff auf die Zukunft und Rückgriff auf die Vergangenheit erfährt er sowohl das konditionierende Gewicht seiner gegenwärtigen Situation, z.B. seines Krankseins und des damit verbundenen Aufenthalts in einer Klinik, als auch den wie immer eingeengten Gestaltungsspielraum, der ihm in dieser Situation verbleibt, aber den er aus dieser Situation heraus erweitern möchte (vgl. zur Anwendung der Technik Blankenburg 1989; zu einem etwas anderen Verständnis etwa Lacan 1953, 143).

Biographiearbeit heißt also nach diesem qualitativ aufgewerteten Begriff von Biographie, dass das Leben des Menschen als ein zeitigendes Existieren verstanden werden kann, das sich nicht rein nach prädisponierenden und determinierenden Faktoren entlang eines linearen Zeitstrahls entwickelt. Vielmehr entfaltet sich jedes menschliche Leben in einer eigenen Gestaltungsdimension mit einer nur ihr eigenen Struktur der Bewegung, die ich als Zeitigungsbewegung bezeichnen würde: nämlich als wechselseitige Bewegung des Ausgriffs auf die Zukunft und des Rückgriffs auf die Vergangenheit sowie des rückgreifenden Ausgriffs auf die vergangene Zukunft und des ausgreifenden Rückgriffs auf die zukünftige Vergangenheit. In der Praxis der Biographiearbeit müssten meines Erachtens genau diese Bewegungen mit dem Patienten immer wieder durchlaufen werden, wenn denn eine solche Arbeit sich auf mehr erstrecken soll als auf das bloße Sammeln biographischer Daten und das Summieren mehr oder weniger wichtiger 'life events'.

4. Über den wechselseitigen Bedingungszusammenhang von zeitigendem Existieren und erinnerndem Erzählen

Ich habe durch die vorangehenden Ausführungen schon anzudeuten versucht, dass erinnerndes Erzählen und zeitigendes Existieren in einem engen Zusammenhang stehen, der für die psychiatrische Biographiearbeit von nicht zu unterschätzender Bedeutung sein dürfte. Ich kann diesen Zusammenhang zwar hier nicht im Detail analysieren und darstellen, aber er lässt sich nach dem bisher Gesagten etwa folgendermaßen auf den Begriff bringen: Erstens, ohne zeitigendes Existieren kann es kein erinnerndes Erzählen geben. Die zeitliche Tiefenstruktur unserer Existenz ist die conditio sine qua non biographischen Erzählens. Und zweitens, ohne die Möglichkeit des erinnernden Erzählens können wir uns auch des zeitigenden Existierens von Menschen nicht inne werden. Biographisches Erzählen ist eine Bedingung der Möglichkeit gelingenden Lebens. Ich möchte diese beiden Überlegungen im Folgenden etwas näher umreißen.

4.1

Die Behauptung, es könne ohne zeitigendes Existieren kein erinnerndes Erzählen geben, scheint auf den ersten Blick eine triviale Behauptung zu sein. Sie scheint zu besagen: Nur ein zeitlich existierendes Wesen könne sich erinnern; es gäbe keine Erinnerung und kein Erzählen ohne Zeit. So verstanden wäre die Behauptung allerdings trivial und philosophisch nicht weiter bemerkenswert. Man könnte sogar die Vermutung äußern, dass hier eine Tautologie formuliert wird (zeitliches Erzählen von Zeit setze Zeit voraus) - so dass deren Negation noch absurder erschiene als die des einfachen Bedingungsverhältnisses.

Unter zeitigendem Existieren ist jedoch, darauf habe ich bereits weiter oben schon kurz hingewiesen, mehr zu verstehen als nur die zeitliche Extension menschlichen Daseins, mehr als nur das unaufhaltsame objektive Fortschreiten der Zeit von der Vergangenheit in die Zukunft. Vielmehr ist mit der Formel vom zeitigenden Existieren die vorhin schon kurz angesprochene Tiefenstruktur menschlichen Daseins, dessen Zeitintensität gemeint, in der jeder Mensch auf der einen Seite seine Existenz, die er selbst ist, zeitigt, d.h. ihr eine, Heidegger würde sagen: ekstatische Gestalt gibt (vgl. Heidegger 1927, 323ff), aber auf der anderen Seite auch die Zeit, die er hat, existiert, d.h. die Zeit selbst zur Existenz kommen lässt, sie nicht nur positivistisch als reines, unhinterfragbares Faktum stehen- und da-sein lässt, sondern sie geradezu konstituiert.

Dass erinnerndes Erzählen nur unter der Bedingung zeitigenden Existierens möglich ist bedeutet dann aber: Je mehr wir unser Leben nur als zeit-extensives und nicht auch als zeit-intensives Leben leben, je mehr wir also der zeitlichen Dimension der Zukunft den Vorrang einräumen, weil auf sie, dem linearen Zeitgesetz folgend, objektiv und unausweichlich alle Zeit "hinausläuft", desto weniger sind wir auch in der Lage oder auch nur willens, uns zu erinnern bzw. uns erinnernd zu erzählen. Das heißt, wir räumen dem Vergessen einen immer größeren Stellenwert in unserem Leben ein, so dass wir schließlich auch das Vergessen und Vergessenhaben selbst noch vergessen und es uns unmöglich wird, die Extensivität und den Intensitätsmangel unseres Zeitvollzuges überhaupt als Mangel zu erfahren.

Genau das ist aber für den Lebensentwurf von Menschen in derart komplexen Gesellschaften wie denjenigen, in denen wir hier und heute leben, fatal. Denn das, was wir erleben und im Sinne einfacher Vergangenheit erlebt haben, aber auch das, was wir nicht erlebt haben und im Sinne vergangener Zukunft erlebt haben könnten, gibt, eben weil wir es vergessen haben, unserem Leben kein Gewicht, keine Substanz mehr. Alles, was wir vom Leben zu erwarten haben, erwarten wir von der Zukunft, oder vielmehr: erwartet uns, wie wir in objektivistischer Verkürzung sagen, in der Zukunft. Aber da auch diese, kaum dass sie geschehen ist, vom Vergessen ereilt wird, erschöpft sich der Prozess in einer leeren Unendlichkeit, in der es zwar Ziele gibt, aber kein einziges, das sich uns letztlich in seiner Bedeutung für unser Leben erschlösse. Denn von Bedeutung für unser Leben wäre es nur als erinnertes oder zu erinnerndes.

Zeit-extensiv zu leben, so wie es uns das lineare Zeitgesetz und die ihm entsprechende Zeitökonomie industrieller und postindustrieller Gesellschaften vorschreibt, heißt daher eigentlich, ein Paradox leben zu müssen: die Zukunft anzustreben, "nach vorn" (und nicht "von vorn") zu leben und gleichzeitig, im Vergessen nämlich, genau das zu verunmöglichen, auf das man in diesem Streben aus ist. Denn eine Zukunft, die nicht vom Gewicht einer von uns gedeuteten und zu deutenden Vergangenheit getragen wäre, bliebe selbst ohne Gewicht und könnte daher nur noch auf kontingente Weise eine intensive Zeiterfahrung ermöglichen.

Der panische und zugleich - im Vergessen - entleerte Blick auf die Zukunft hat aber auch noch eine andere Folge für unser Zeiterleben und für unser biographisches Erinnern. Denn da die Zukunft, zumal in der modernen "Risikogesellschaft", unsicher ist, aber zugleich das einzige, auf das wir im weitgehenden Ausblenden unserer Vergangenheit setzen können, neigen wir dazu, deren Unsicherheit und Kontingenz zu reduzieren, z.B. indem wir riskante Entscheidungen an die Mehrheitsgesellschaft und an die sie repräsentierenden Institutionen delegieren. Je mehr wir aber dadurch unser gesellschaftliches Leben der Sicherheit institutioneller, vorab geregelter Prozesse überlassen, desto weniger gibt es auch auf lange Sicht zu erzählen. Denn solche Prozesse und Planungen sind hoch formalisierte, einer instrumentellen Logik folgende Strukturen, gegen deren strenge Allgemeinheit sich die individuelle Signatur eines einzelnen Lebens, sowohl als Handelnder als auch als Betroffener, nur schwer behaupten kann.

Insofern sind wir heute, im medizinischen und pflegerischen Alltag mit einem doppelten gesellschaftlichen Problem konfrontiert: Wir haben nicht allein damit zu kämpfen, dass Zeit zunehmend mit Geld identifiziert und eben deshalb, abermals in objektivistischer Verkürzung, als eine "knappe Ressource" begriffen wird, die einem so genannten 'Zeitmanagement' zu unterwerfen ist. Wir haben es in den ambulanten und stationären Einrichtungen auch zunehmend mit Menschen zu tun, sowohl betreuenden als auch betreuten, die sich dieser gesellschaftlichen Logik gemäß in einem zeit-extensiven Leben nolens volens eingerichtet haben und einrichten mussten. Das Erzählen und die von ihm im Wesentlichen abhängige qualitative Biographiearbeit wird dadurch jedoch zunehmend erschwert und auf lange Sicht sogar verstellt.

4.2

Aber auf der anderen Seite gibt es natürlich auch die umgekehrte Logik: Je weniger uns die Möglichkeit des erinnernden Erzählens gegeben ist, desto weniger können wir uns auch des zeitigenden Existierens von Menschen inne werden. Hier haben wir es also mit einem wechselseitigen Bedingungsverhältnis zu tun, das sich, sobald es einmal in Gang gekommen ist, in seinen Wirkungen potenziert: Wie ich soeben ansatzweise gezeigt habe, erschwert oder verstellt ein sich tendenziell auf die bloße zeitliche Extension reduzierendes Leben erinnerndes Erzählen. Aber andererseits kann der Verlust der Möglichkeit erinnernden Erzählens auch wiederum eine der Bedingungen dafür sein, dass unser Leben auf ein zeit-extensives Leben zusammenschrumpft.

Ich möchte das zunächst an zwei sehr einfachen Sachverhalten verdeutlichen: einmal daran, dass alles erinnernde Erzählen selbst objektiv Zeit benötigt, sich also nicht in einem zeitlosen Raum abspielt; und sodann daran, dass das Erzählen als solches diejenige subjektive und, wie ich noch kurz erläutern werde, intersubjektive Zeitstruktur entfaltet, die auch die Tiefenstruktur menschlichen Daseins kennzeichnet. Beide Aspekte, der objektive wie der subjektive und intersubjektive, hängen eng miteinander zusammen. Denn wenn die objektive Zeit nicht in der (inter-)subjektiven enthalten wäre, wenn sie nicht, wie ich gelegentlich sage, deren Implement wäre (vgl. Kupke 2009, 29, 48, 67 passim) könnte von einer zeitlichen Strukturierung, also einer Strukturierung von Zeit, nicht die Rede sein.

Zum ersten Aspekt: Dass erinnerndes Erzählen objektiv(e) Zeit benötigt scheint auf den ersten Blick trivial zu sein. Wenn man sich jedoch vergegenwärtigt, wie in unserer Gesellschaft Zeit als "knappe Ressource" gehandelt wird, wie sie im panischen Blick auf die Zukunft immer schneller vergeht und deshalb einem rigiden Zeitmanagement unterworfen wird, ist es nicht abwegig, dass es auch für das Erzählen in unserer Gesellschaft immer weniger Zeit gibt. Dabei denke ich nicht so sehr an den Rückgang des Erzählens im allgemeinen gesellschaftlichen Umgang der Menschen miteinander, sondern v.a. in therapeutischen und pflegerischen Kontexten, in denen qualitative Biographiearbeit geleistet werden soll. Einer Psychiatrie, der es wirklich um ihre Patienten geht, muss hierzu objektiv genügend zeitliche, personelle und organisatorische Ressourcen zur Verfügung stellen und kann sich nicht auf einen subjektiv gehaltvollen Begriff von Biographie und Biographiearbeit zurückziehen. M.a.W., man kann hier nicht das eine unterlassen und das andere tun wollen.

Zum zweiten Aspekt: Es hat, wie der mittlerweile verstorbene Medientheoretiker Walter Jackson Ong in seinem bemerkenswerten Buch 'Oralität und Literalität. Die Technologisierung des Wortes' berichtet, orale Kulturen gegeben, deren Erzähler ihren Zuhörern oft tagelang die Tradition ihres Volkes memorierten (vgl. Ong 1982, 63ff). Abgesehen einmal davon, dass diese Form der Tradierung extrem zeit-extensiv ist und die soeben angestellten Überlegungen noch einmal drastisch veranschaulichen kann, zeigt es darüber hinaus sehr deutlich, dass auch schon das erzählerische Sprechen selbst und als solches, wie das Leben, eine eigene innere Zeitstruktur entfaltet. D.h. das Erzählen bezieht sich nicht nur inhaltlich auf die Vergangenheit, von der es bzw. genauer die es erzählt, sondern stellt auch formal einen eigenen intensiven Zeitigungsakt dar, der sowohl für den Erzähler als auch für seine Zuhörer eine eigene biographische Erfahrung darstellt.

In diesem Sinne konstituiert aber das erinnernde Erzählen offenbar selbst Biographie, und zwar in doppelter Weise: Es konstituiert zunächst die Vergangenheit, das heißt, es erschafft sie nicht - das wäre ein Missverständnis des Begriffs Konstitution -, sondern gibt ihr eine eigene, konkrete Zeitgestalt. Und zwar gibt es ihr diese so, dass es nicht nur die vergangenen Ereignisse in ihrer chronologischen Reihenfolge erzählt (das wäre im Grunde ein Bericht und keine Erzählung), sondern sich auch an die der Vergangenheit eigene, vergangene Zukunft und zukünftige Vergangenheit erinnert. Erst das bedeutet im vollgültigen zeitphilosophischen Sinne etwas zu erzählen, nämlich im Erzählen des Vergangenen dessen eigene Zeit-Perspektive mitzuerzählen, konkret biographisch: vergangene Wünsche, Ängste, Befürchtungen, Hoffnungen, deren reale oder irreale Erfüllungen oder Enttäuschungen usw. usf. mit in die Erzählperspektive einrücken zu lassen.

Und zum anderen konstituiert das erinnernde Erzählen eben darin auch das Vergangene selbst als gegenwärtig, das heißt, stellt es als Rückgriff auf die Vergangenheit in den der Gegenwart eigenen Ausgriff auf die Zukunft. Denn alles Erzählen ist nicht nur ein Sprechen um der Vergangenheit und auch nicht nur um der Gegenwart willen. Es geht in ihm nicht allein darum, unserem Leben im vergewissernden Rückblick Gewicht und Substanz zu verleihen oder aus ihm, wie es immer wieder gerne heißt, so genannte "Lehren für die Gegenwart" zu ziehen, sondern v.a. darum, es in seiner ganz eigenen Zeitgestalt kommenden Subjekten, der Zukunft zu überlassen, es gewissermaßen ihrem eigenen prüfenden und vergewissernden Rückblick auszuliefern.

Auch dies könnte vielleicht trivial erscheinen, wenn in der erzählerischen Gegenwärtigung des Vergangenen nicht ein Moment verborgen wäre, dessen Darstellung ich bisher bewusst vernachlässigt habe und das im Kontext biographiebegrifflicher Überlegungen einer eigenen Untersuchung wert wäre, nämlich das Moment der Intersubjektivität des Erzählens. Denn jedes Sprechen und so auch jedes Erzählen richtet sich - über den individuellen Tod hinaus, von dem Heideggers Zeitphilosophie ausgeht (vgl. Ricoeur 1980, 171f u. 178f) - an einen Anderen, der als solcher, ob anwesend oder abwesend, derjenige ist, dem das Erzählte im psychologisch-individuellen Sinne übertragen und im geschichtsphilosophisch-generationellen Sinne tradiert wird. M.a.W., es ist der individuelle und generalisierte Andere, der im Erzählen am Ort der durch die Erzählung selbst nicht mehr thematisierbaren Zukunft steht und der aus dieser Zukunft heraus zum Übertragungs- und Tradierungspol der Erzählung wird.

Wenn daher Lévinas in seiner bedeutenden Studie 'Die Zeit und der Andere' schreibt, dass "die Situation des Von-Angesicht zu Angesicht (...) der eigentliche Vollzug der Zeit (wäre)" und dass "die Bedingung der Zeitlichkeit ... im Verhältnis zwischen menschlichen Wesen (liegt)" (Lévinas 1946/47, 51), so bin ich geneigt, diese Hypothese auch auf den Zeitigungsakt des biographischen Erzählens zu beziehen. Damit meine ich: Die Zeit ist auch deshalb intersubjektive Zeit und die Biographie intersubjektive Biographie, weil sie nicht nur aus dem mehr oder weniger sozialen Zusammenleben von Menschen erwächst (was trivial ist), sondern weil auch die Vermittlung von Zeit, deren Übertragung, ein intersubjektiver Akt ist. Indem ich dem Anderen (und dieser Andere kann zur Not auch ich selbst sein) von meinem Leben erzähle, vermittle ich die Vergangenheit mit der Zukunft, so dass - ich zitiere noch einmal Lévinas - "das Übergreifen der Gegenwart auf die Zukunft ... nicht die Tat eines einsamen Subjektes (ist), sondern das intersubjektive Verhältnis" selbst (ebd.).

Die Intersubjektivität, von der seit dem cultural turn der Philosophie allerorten die Rede ist, ist also nicht nur zeitlich vermittelt, sprich: es braucht objektiv(e) Zeit, um miteinander zu kommunizieren und zu interagieren, sondern vielmehr umgekehrt: diese objektive Zeit ist intersubjektiv vermittelt, d.h. ob wir Zeit überhaupt qualtitativ gehaltvoll, intensiv erleben, hängt von der Kultur des erzählerischen Akts ab, in dem sich Ich und Du in der Gegenwart begegnen. Oder begrifflich strenger formuliert: Die Tiefenstruktur der Zeit ist eine intersubjektive Struktur, in der Ich und Du, die füreinander die Zukunft sind, die Gegenwart konstituieren. Dies ist ein kryptischer und zugleich faszinierender Gedanke, der die Basis für ein neues Verständnis von Zeit bedeuten kann - und für einen neuen Umgang mit der Biographie von Menschen.

5. Resümee: Zehn Thesen zur Zeitlichkeit der biographischen Erfahrung und für ein erweitertes Verständnis des Biographiekonzepts

Ich fasse die Ergebnisse meiner Analyse kurz in einigen Thesen zusammen, die die Grundlage für ein weiteres Nachdenken über den Begriff der Biographie und über die Biographiearbeit sein können.

Biographie ist ein selbstreflexiver Begriff: Ob die Biographie mehr objektiv, subjektiv oder intersubjektiv perspektiviert wird, sie ist geprägt von der biographischen Perspektive desjenigen, der sie perspektiviert. Die Biographie kommt ihrer Perspektivierung immer schon zuvor.

Biographie ist aber auch ein dynamischer Begriff: Die Selbstreflexion der eigenen Biographie, das Erleben des eigenen Lebens verändert sich im Zeitfluss der Biographie gemäß ihrer eigenen zeitlichen Tiefenstruktur, d.h. der Integration von Vergangenem, Zukünftigem und Gegenwärtigem.

Für ein dynamisches Biographieverständnis sind das Erlebte und das Nicht-Erlebte gleichermaßen bedeutsam: Im Zeitfluss der Biographie wird das Nicht-Erlebte als Nicht-Erlebtes erlebt, als das, was durch die individuelle Zeitgestalt der Biographie notwendigerweise ausgeschlossen wurde, ausgeschlossen wird und ausgeschlossen werden wird.

Die erste Zeitform des Nicht-Erlebten der Biographie ist die vergangene Zukunft. Die Gegenwart hat ihre je eigene Zukunft immer auch durch den Ausschluss der in der Vergangenheit eröffneten Zukunftshorizonte. Die Biographie ist - objektiv - ein Stück vergangener Zukunft.

Die zweite Zeitform des Nicht-Erlebten der Biographie ist die zukünftige Vergangenheit. Die Gegenwart konstituiert sich immer auch durch den Ausschluss der in der Zukunft auf sie als Vergangenheit möglichen Perspektiven. Die Biographie ist - subjektiv - ein Stück zukünftiger Vergangenheit.

Ein nicht-objektivistisches Biographieverständnis ist notwendigerweise individuums-, nicht subjektorientiert. Das Individuum ist der konkrete Ort einer unendlichen und unabschließbaren Perspektivierung, das Subjekt dagegen nur ihr abstrakter Platzhalter als der Ort einer endlichen und abschließbaren theoretischen Verständigung.

Ein nicht-chronologisches Biographieverständnis erkennt an, dass die Biographie eines Menschen immer auch das Resultat seiner Zukunft ist. Sie ist zunächst das Resultat seiner Vergangenheit, aber biographische Bezüge sind immer auch Zukunftsbezüge: im Sinne von Zukunftsentwürfen, einer interpretierten vergangenen Zukunft und einer projektierten zukünftigen Vergangenheit.

Ohne zeitigendes Existieren kann es kein erinnerndes Erzählen geben. Die Möglichkeit des Erzählens schwindet mit dem Verlust an zeitlicher Intensität, d.h. mit einem Sich-Ausliefern oder einem Ausgeliefertsein an die reine zeitliche Extension.

Ohne erinnerndes Erzählen können wir uns der zeitlichen Tiefenstruktur unseres Daseins nicht inne werden. Erst im Erzählen werden die Zukunftshorizonte des Vergangenen und die Vergangenheitshorizonte der Zukunft als solche mitteilbar. Chroniken, Berichte, wissenschaftliche Mitteilungen müssen diese Horizonte notwendigerweise ausblenden.

Zeit und Biographie sind intersubjektiv konstituiert. Ich und der Andere, Ich und Du verhalten sich zueinander wie Vergangenheit und Zukunft, und das heißt immer auch: wie vergangene Zukunft und zukünftige Vergangenheit. Ich bin vergangen, Du bist die Zukunft.

Literatur

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Blankenburg, W. (1989). Futur-II-Perspektive in ihrer Bedeutung für die Erschließung der Lebensgeschichte des Patienten. In Ders., Psychopathologie des Unscheinbaren. Ausgewählte Aufsätze hrsg. v. M. Heinze (S. 235ff). Parodos: Berlin 2007.

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Ricoeur, P. (1985). Zeit und Erzählung. Band III. Die erzählte Zeit. Übers. v. A. Knop. München: Fink 1991.

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Christian Kupke
Philosoph
Vorstand der GPWP Berlin
c/o Charité Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Schumannstr.20/21
D-10117 Berlin
chrku@hotmail.de
www.gpwp.de

Christian Kupke ist freischaffender Philosoph in den Arbeitskontexten Philosophie und Psychoanalyse, Philosophie und Psychiatrie, Zeit-Psychopathologie der Schizophrenien und Melancholien. Er ist Gründungs- und Vorstandsmitglied der Berliner "Gesellschaft für Philosophie und Wissenschaften der Psyche e.V." (www.gpwp.de), Mitherausgeber des JfPP (www.jfpp.org) und arbeitet gegenwärtig als Honorardozent für theoretische und angewandte Ethik.




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