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Deutsch

Die Stufentheorie des Selbstbewusstseins und ihre Implikationen für das Verständnis psychiatrischer Störungen


Gottfried Vosgerau
[Journal für Philosophie & Psychiatrie, Jg. 2 (2009), Ausgabe 2]

Zusammenfassung

Das zentrale philosophische Problem des Selbstbewusstseins besteht in der Erklärung des unmittelbaren Selbstbezugs, der wesentlich ist für selbstbewusste Gedanken. Im vorliegen Artikel wird eine Stufentheorie des Selbstbewusstseins vorgestellt, die dieses Problem auf einer basalen, nicht-begrifflichen Ebene löst. Der schon durch basale Wahrnehmungsmechanismen hergestellte unmittelbare Selbstbezug kann dann in höhere, begriffliche Ebenen übertragen werden. Zusätzlich wird gezeigt, dass die systematische Unterscheidung von nicht-begrifflichen und begrifflichen Stufen des Selbstbewusstseins neue Analysen von psychiatrischen Störungen wie Autismus und Schizophrenie leisten kann. Die Grundstörung bei Autismus wird als eine Störung der introspektiven Erfahrung der eigenen geistigen Zustände beschrieben. Diese Beeinträchtigung führt dazu, dass eine Theory of Mind, die zur Zuschreibung von mentalen Zuständen nötig ist, nicht mühelos gelernt werden kann sondern mühsam wie eine wissenschaftliche Theorie gelernt werden muss (was die meisten Betroffenen überfordert). Die positiven Symptome der Schizophrenie Fremdbeeinflussung und Gedankeneingebung werden als komplexe Störungen analysiert, bei denen auf einer nicht-begrifflichen Ebene ein gestörtes "Gefühl" gegenüber den eigenen Bewegungen bzw. Gedanken vorliegt, bei denen aber zusätzlich auf einer begrifflichen Ebene der Urteilsbildung eine weitere Störung zu falschen und wahnhaften Fremdzuschreibungen der Urheberschaft bzw. Autorenschaft führt.

Schlüsselwörter: Selbstbewusstsein, nicht-begriffliche Repräsentationen, Autismus, Fremdbeeinflussung, Gedankeneingebung

Abstract

The Level-Theory of Self-Consciousness and its Implications for the Understanding of Psychiatric Disorders
The central philosophical problem of self-consciousness lies in the explanation of the immediate self-reference which is constitutive for self-conscious thoughts. In this paper, a level-theory of self-consciousness will be described. It proposes to solve this problem on a basal, non-conceptual level, where the immediate self-reference is established by very basal mechanisms of perception. This immediate self-reference is then transferred to higher, conceptual levels of self-consciousness. In addition, it will be shown that the systematic distinction between non-conceptual and conceptual levels of self-consciousness allows for new analyses of psychiatric disorders like autism and schizophrenia. For autism, the basic problem is identified as an impairment of the introspective experience of one's own mental states. This impairment leads to an enormous difficulty in learning a Theory of Mind (which is needed to attribute mental states to others) - it has to be learned much in the fashion of a scientific theory (which is too difficult for most patients). The two positive symptoms of schizophrenia, delusion of control and thought insertion, are analyzed as complex impairments that both involve an impaired "feeling" towards the own movements or thoughts, resp., which is to be located on the non-conceptual level. In addition, a further impairment on the conceptual level of judgments results in false and delusional attributions of agency and authorship to other people or alien forces.

Key words: self-consciousness, non-conceptual representation, autism, delusion of control, thought insertion

1. Das Problem des Selbstbewusstseins

Unter Selbstbewusstsein versteht man in der Philosophie die Fähigkeit, seine eigenen körperlichen und geistigen Zustände als die eigenen zu erfassen. Um zu illustrieren, was damit gemeint ist, eignet sich folgende Geschichte von Ernst Mach (1886): Eines Tages stieg Mach in einen Bus und sah, wie gleichzeitig ein Mann auf der anderen Seite den Bus betrat. Er schaute den Mann an und dachte: "Was für ein heruntergekommener Schulmeister". Kurz darauf bemerkte er, dass er tatsächlich keinen anderen Mann gesehen hatte, sondern lediglich sein eigenes Spiegelbild. An solchen Fällen lässt sich schön verdeutlichen, was es bedeutet, die eigenen Zustände als die eigenen zu erfassen: Im ersten Moment fasste Mach einen Gedanken über einen Mann, der tatsächlich er selbst war - er dachte also de facto über sich selbst nach. Allerdings wusste er nicht, dass er über sich selbst nachdachte; er dachte also nicht, wie man sagt, über sich selbst als sich selbst nach. Erst als er bemerkte, dass er sein eigenes Spiegelbild gesehen hatte, konnte er den echten selbstbewussten Gedanken fassen: "Ich sehe aus wie ein heruntergekommener Schulmeister". Das philosophische Grundproblem des Selbstbewusstseins ist die Erklärung dieses unmittelbaren Selbstbezugs, den echte selbstbewusste Gedanken aufzeigen und der den wesentlichen Unterschied zu bloß zufällig selbst-bezogenen Gedanken ausmacht.1

Dieser zentrale Aspekt des Selbstbewusstseins wird auch häufig als "Meinigkeit" bezeichnet. Hierbei lassen sich noch die Meinigkeit von Körperteilen und die Meinigkeit von geistigen Zuständen unterscheiden. Die grundlegende Frage ist, wie schon erwähnt, wie der unmittelbare Selbstbezug zus Sande kommt. Darüber hinaus muss die speziellere Frage geklärt werden, wie die Meinigkeit der einzelnen Körperteile und geistigen Zustände erfasst wird. Andere häufig diskutierte Aspekte von Selbstbewusstsein sind: die "Urheberschaft" von Handlungen und Gedanken, die "Perspektivität" des Erlebens und Handelns, sowie die "Einheit" der Erfahrung. Ich möchte in diesem Beitrag eine Stufentheorie des Selbstbewusstseins vorstellen, und dabei vor allem aufzeigen, in welcher Weise eine solche Stufentheorie in der Lage ist, die grundsätzliche Frage der Selbstbezogenheit zu beantworten. Diese Theorie soll dann angewendet werden auf pathologische Störungen einzelner Aspekte: Zunächst soll gezeigt werden, dass der Schwierigkeit des Erfassens von mentalen Zuständen von Autisten eine Störung zu Grunde liegt, die das basale Erfassen der eigenen mentalen Zustände betrifft. Sodann wird der Aspekt der Urheberschaft am Beispiel von Fremdbeeinflussung und Gedankeneingebung bei Schizophrenen eingehend diskutiert. Auf eine Diskussion der anderen Aspekte kann ich in diesem Beitrag nicht eingehen (eine umfassende Darstellung der Stufentheorie und ihrer Erklärung der verschiedenen Aspekte findet sich in Vosgerau 2009a).

Zunächst möchte ich allerdings einige grundlegende Überlegungen anstellen, die Missverständnisse vermeiden sollen. Häufig wird in der Diskussion um das Selbstbewusstsein der Bewusstseins-Teil stark in den Vordergrund gerückt. In diesem engeren Sinne geht es also um das bewusste (phänomenale) Erleben seiner selbst. Ich will nicht bestreiten, dass diese Dimension des Selbstbewusstseins eine enorm wichtige Rolle hat - nicht nur für unser Verständnis des menschlichen Geistes überhaupt, sondern auch für unser Verständnis des Phänomens Selbstbewusstsein im Speziellen. Dennoch ist nicht mein Ziel, eine Theorie aufzustellen, die solches leisten kann. Vielmehr geht es mir um eine Theorie des Selbstbewusstseins, die erklären soll, wie die spezifischen Unterschiede zwischen selbstbewussten Zuständen und anderen bewussten Zuständen (objektbewussten Zuständen) zu Stande kommen. Offensichtlich ist dieser Unterschied gerade nicht in der Bewusstheit der Zustände zu finden, sondern in dem "Inhalt" der Zustände. Ich werde mich also mit der Frage beschäftigen, wie der Inhalt von selbstbewussten Zuständen entstehen kann. Die Frage, wie diese Zustände dann bewusst werden und woher ihr phänomenaler Charakter kommt, ist meines Erachtens zu klären durch eine allgemeine Theorie des Bewusstseins (vgl. z.B. Vosgerau, Schlicht & Newen 2008). So kommt es, dass die verschiedenen selbstbewussten Zustände, über die ich sprechen werde, nicht unbedingt bewusst sein müssen.

Meine Analyse des Selbstbewusstseins basiert auf dem Begriff der Repräsentation - ich werde selbstbewusste Zustände auffassen als Arten von Selbst-Repräsentationen, bei denen sich ein Subjekt als sich selbst repräsentiert. Dabei meine ich nicht, dass Repräsentationen umfassende "Bilder" der Situation oder des Selbst sind (wie z.B. die Selbst-Modelle von Metzinger 1993), sondern vielmehr kleine Einheiten, die ganz spezifische Inhalte haben.

Ich lege ein funktionalistisches Verständnis von Repräsentationen zu Grunde, das - grob gesagt - davon ausgeht, dass Repräsentationen das von ihnen Repräsentierte in einer Funktion vertreten. Die relevanten Funktionen werden dabei aufgefasst als diejenigen, mit deren Hilfe wir das Verhalten des repräsentierenden Systems beschreiben können (vgl. auch Vosgerau 2008). In Bezug auf Selbst-Repräsentationen bedeutet das, dass wir auf Grund unserer selbstbewussten Gedanken zu bestimmten Verhaltensweisen fähig sind - wir können uns (anders als Maschinen und wahrscheinlich die meisten Tiere) selbstbewusst zu unserer Umwelt und zu anderen Menschen verhalten, indem wir uns selbst als handelnde Systeme verstehen können.

Die funktionalistische Charakterisierung von Repräsentationen lässt eine Unterscheidung zu zwischen Repräsentationen und solchen Entitäten, die keine Repräsentationen sind. Allerdings kann durch eine solche Definition noch nicht der Unterschied zwischen gelungenen und misslungenen Repräsentationen (Fehlrepräsentationen) gemacht werden. Es gehört allerdings zum Begriff der Repräsentation dazu, dass es Fälle von Fehlrepräsentation geben muss, so dass eine Erklärung dieser Unterscheidung ganz wesentlich ist für jede Theorie der Repräsentation (Dretske 1994).

Die Frage, ob eine Repräsentation gelungen ist oder nicht, lässt sich allerdings in Hinblick auf die Vertreter-Rolle der Repräsentation beantworten. Die Grundidee hierbei ist, dass die Repräsentation für eine solche Vertretung geeignet sein muss. Ob sie das ist, hängt davon ab, ob sie in einer gewissen Relation zu dem Repräsentierten steht oder nicht. Nur wenn eine Repräsentation eine bestimmte "Verbindung" zu dem Repräsentierten aufweist, kann sie die funktionale Rolle des Repräsentierten auch in geeigneter Weise übernehmen (Vosgerau 2008). Ich möchte diese Relation zwischen Repräsentation und Repräsentiertem "Adäquatheitsrelation" nennen.

2. Die Stufentheorie

Der Grundgedanke einer Stufentheorie besteht nun darin, verschiedene Arten von Repräsentationen zu unterscheiden, und zwar anhand von unterschiedlichen Adäquatheitsrelationen. So können unterschiedliche Stufen von Repräsentationen ausgezeichnet werden, die plausiblerweise auch eine onto- wie phylogenetische Hierarchie darstellen (vgl. Vosgerau 2008, 2009a). Zunächst gibt es mentale Repräsentationen, die nur dann adäquat sind, wenn sie vom Repräsentierten verursacht worden sind (die Kausalrelation ist besonders von "kausalen" Theorien der Repräsentation betont worden; z.B. Fodor 1987). Ich möchte diese einfachste Art von Repräsentationen "sensuelle" Repräsentationen nennen. Das Feuern einer Retinazelle repräsentiert etwa den Einfall von Licht einer bestimmten Farbe; diese Repräsentation ist nur dann adäquat, wenn das Feuern tatsächlich von Licht dieser Farbe verursacht worden ist.

Auf Grundlage der sensuellen Repräsentationen kann eine neue Stufe entstehen, auf der stabile Wahrnehmungen konstituiert werden. Die Grundidee dabei ist, dass sich sensuelle Repräsentationen ständig ändern in Abhängigkeit von eigenen Bewegungen. Die systematischen Zusammenhänge zwischen den eigenen Bewegungen und den Änderungen im Sinnes-Input zu kennen und so vorhersagen bzw. "rausrechnen" zu können, ist die Grundlage für das Wahrnehmen stabiler Eigenschaften (diese Idee basiert auf der Theorie von O'Regan & Noë 2001a,b; Noë 2005 und kann wenigstens bis Helmholtz 1866 zurückverfolgt werden). Die Adäquatheitsrelation solcher Repräsentationen ist also Kovarianz, da genau die Änderungen im Sinnes-Input den repräsentierten Änderungen entsprechen müssen. Ich möchte diese Art von nicht-begrifflichen Repräsentationen "Wahrnehmungsrepräsentationen" nennen, ohne damit behaupten zu wollen, dass jede bewusste Wahrnehmung vollständig durch solche Wahrnehmungsrepräsentationen erklärt werden könnte.2

Die nächste Stufe von Repräsentationen wird gebildet durch die "begrifflichen" Repräsentationen, die Begriffe enthalten. Die hier angesprochenen Begriffe basieren auf den Wahrnehmungsrepräsentationen und gehen durch Abstraktion aus diesen hervor. Obwohl es viel Streit um die Natur der Begriffe gibt, scheinen folgende Bedingungen an Begriffe allgemein akzeptiert zu werden: Ein Begriff muss auf verschiedene Gegenstände gleichermaßen angewendet werden können unabhängig von einer entsprechenden Wahrnehmungssituation (wer also den Begriff "ist rot" hat, muss ihn auf alle Objekte anwenden können, die er kennt, unabhängig davon, ob er diese Objekte als rot wahrnimmt oder nicht). Diese Bedingung findet sich in vielen ganz unterschiedlichen Begriffstheorien wieder (z.B. Evans 1982, Newen & Bartels 2007). Eine Voraussetzung dafür ist, dass Objekte getrennt repräsentiert werden von Eigenschaften (Begriffen) - nur so kann eine systematische Kombination der beiden geschehen. Begriffliche Repräsentationen müssen also eine bestimmte Struktur aufweisen: sie müssen analysierbare Teile aufweisen, die für Objekte stehen, und analysierbare Teile, die für Eigenschaften stehen (Vosgerau 2007). Da begriffliche Repräsentationen eine bestimmte Struktur aufweisen, die mit der Struktur des Repräsentierten übereinstimmen sollte, kann die Adäquatheitsrelation für diese Art von mentalen Repräsentationen durch einen Isomorphismus beschrieben werden (Vosgerau 2006,2008).3

In Abgrenzung zu begrifflichen Repräsentationen können nun etwas allgemeiner nicht-begriffliche Repräsentationen charakterisiert werden (worunter auch sensuelle und Wahrnehmungsrepräsentationen gehören): Sie haben keine Objekt-Eigenschaft-Struktur. Ein einfaches Beispiel hierfür ist ein Rot-Detektor: Er kann zwischen Rot und nicht-Rot unterscheiden, aber er ist nicht in der Lage, Rot als Eigenschaft eines Objektes zu repräsentieren. Seine Repräsentation (etwa das Ton-Signal, das er bei Rot-Detektion gibt) kann nicht dahingehend analysiert werden, dass es einen Teil gibt, der für ein Objekt stehen würde, und einen Teil, der für Rot steht. Ähnlich ist es z.B. mit dem Fühlen von Hunger: Natürlich fühlen wir nur unseren eigenen Hunger. Die Repräsentation, die wir dabei aufbauen, ist also selbst-bezogen: Es geht um den eigenen Hunger. Dennoch lässt sich hier kein Teil analysieren, der für sich genommen für einen selbst stehen würde. Gäbe es einen solchen Teil, so müssten wir ihn ersetzten können durch eine Repräsentation, die für jemand anders steht. Dies wäre der Fall, wenn wir beispielsweise Peters Hunger spüren könnten. Da wir das aber nicht können, können wir keinen Selbst-Teil in der Repräsentation analysieren. Diese Repräsentation hat also keine Objekt-Eigenschaft-Struktur und ist daher nicht-begrifflich. Eine begriffliche Repräsentation wäre etwa die Repräsentation, dass ich braune Haare habe. Hier kann ich den Selbst-Teil einfach durch eine andere Repräsentation austauschen und denken, dass Peter braune Haare hat.

Als höchste Stufe seien noch die Meta-Repräsentationen genannt, mit deren Hilfe wir eigene oder fremde mentale Repräsentationen repräsentieren, wie z.B. in "Ich weiß dass ich rot sehe", "Ich weiß, dass ich denke, dass ...", "Peter denkt, dass ...". Da Repräsentationen letztendlich unser flexibles Verhalten erklären (Vosgerau, Schlicht & Newen 2008), haben Meta-Repräsentationen die Aufgabe, das Verhalten anderer vorherzusagen und zu erklären (Vosgerau 2008). Ihre Adäquatheitsrelation kann daher als explanatorische Adäquatheit beschrieben werden. Ich werde später noch nicht-begriffliche Meta-Repräsentationen von begrifflichen Meta-Repräsentationen unterscheiden. Die Idee hierbei ist, dass wir unterschiedliche Arten von mentalen Repräsentationen unterscheiden können (z.B. Wünsche, Überzeugungen, Träume, ...), ohne dass wir sie als mentale Repräsentationen eines bestimmten Menschen repräsentieren (wir würden also etwas Ähnliches machen wie ein Rot-Detektor, der nur auf die Farbe reagiert, ohne diese einem Objekt als Eigenschaft zuzuschreiben). Diese Art von nicht-begrifflichen Meta-Repräsentationen repräsentieren also nur einen Aspekt von Repräsentationen und nicht die Repräsentationen als solche. Im strengen Sinn dürften sie also gar nicht zu den Meta-Repräsentationen gezählt werden. Anders liegt der Fall bei begrifflichen Meta-Repräsentationen, die eine Zuschreibung der Repräsentation zu einem kognitiven System enthalten. Sie sind also Meta-Repräsentationen im vollen hier dargestellten Sinn.

Diese verschiedenen Stufen von mentalen Repräsentationen können grundsätzlich auch bei Selbst-Repräsentationen gefunden werden. Dabei werden Selbst-Repräsentationen nicht lediglich dadurch definiert, dass sie das repräsentierende System selbst repräsentieren. Durch eine solche Definition würden nämlich Fälle von bloß zufälliger Selbstbezugnahme nicht ausgeschlossen (wie oben beschrieben, gibt es keinen wesentlichen Unterschied zwischen Objekt-Repräsentationen und bloß zufällig selbst-bezogenen Repräsentationen; daher sind letztere für das Phänomen Selbstbewusstsein irrelevant). Vielmehr werden Selbst-Repräsentationen als solche definiert, die sich auf ein anderes Objekt (im weitesten Sinne, also Personen eingeschlossen) beziehen würden, wenn sie in einem anderen repräsentierenden System auftauchen würden (Vosgerau 2009b). Der Gedanke, dass ich braune Haare habe, ist demnach eine Selbst-Repräsentation, da je nach Denker das Objekt des Gedankens verschieden ist. Der Gedanke, dass GV braune Haare hat, stellt allerdings - wie gewünscht - keine Selbst-Repräsentation dar (parallel zu Ernst Machs Gedankenen, dass dieser Mann bzw. er selbst wie ein heruntergekommener Schulmeister aussieht). Diese Definition hat dabei gegenüber klassischen Definitionen den Vorteil, dass sie auch auf nicht-begriffliche Repräsentationen angewendet werden kann. Ich möchte aber hier nicht weiter auf die Einzelheiten eingehen, sondern den Hauptaugenmerk nun auf die Stufen der Selbst-Repräsentation legen.

Die Definition von Selbst-Repräsentationen kann nicht sinnvoll angewendet werden auf die einfachste Stufe der Repräsentationen, die sensuellen Repräsentationen. Ob das Feuern einer Retinazelle eines anderen Menschen sich auf das selbe Rot bezieht oder nicht, kann nicht prinzipiell entschieden werden, da die Verursachung des Feuerns von Faktoren abhängt, auf die in der Definition nicht Bezug genommen wird. Tatsächlich ist es auch intuitiv einleuchtend, dass auf dieser basalen Stufe höchstens zufällig selbst-bezogene Repräsentationen auftreten können, da eine solche Repräsentation lediglich vom repräsentierenden System selbst verursacht wäre, was aber niemals einen prinzipiellen Unterschied zu einer von einem anderen System verursachten Repräsentation herstellen könnte.4 Sensuelle Repräsentationen spielen also für das Selbstbewusstsein keine Rolle.

Bei Wahrnehmungsrepräsentationen ist die Lage allerdings anders. Z.B. kann ich eigene körperliche Zustände wahrnehmen, wie etwa, dass meine Beine gekreuzt sind. Hätte ein anderer Mensch diese Repräsentation, so würde sie sich eben nicht mehr auf meine Beine, sondern auf seine Beine beziehen. Auf der Ebene der Wahrnehmungsrepräsentationen finden wir also echte Selbst-Repräsentationen. Allerdings bewegen wir uns auf dieser Stufe noch auf einer nicht-begrifflichen Ebene, so dass in der Repräsentation weder ein Objekt-Teil noch ein Eigenschafts-Teil analysiert werden können. Das bedeutet, dass weder das kognitive System selber noch die Eigenschaft, die Beine gekreuzt zu haben, explizit repräsentiert werden. Es liegt lediglich ein impliziter Selbstbezug vor. Daher kann auch der "Selbst"-Teil in einer solchen Repräsentation nicht ausgetauscht werden (er existiert ja gar nicht): Ich kann keine Wahrnehmungsrepräsentation (derselben propriozeptiven Art) von den gekreuzten Beinen eines anderen Menschen haben (Vosgerau 2009b).

Das Entscheidende bei den nicht-begrifflichen Selbst-Repräsentationen ist, dass die rein implizite Selbstbezugnahme eine unmittelbare Selbstbezugnahme darstellt. Diese einfachste Stufe der Selbst-Repräsentationen kann daher das grundlegende Problem des Selbstbewusstseins lösen: Weil auf der einfachsten Stufe der Selbst-Repräsentation eine unmittelbare (implizite) Selbstbezugnahme vorliegt, kann diese Art der Bezugnahme auf höhere (begriffliche) Stufen der Selbst-Repräsentation "übertragen" werden. Die unmittelbare Selbstbezugnahme auf der begrifflichen Ebene wird also "geerbt" von den zu Grunde liegenden einfachen nicht-begrifflichen Selbst-Repräsentationen. So kann auch das "Paradox of Self-Consciousness" (Bermúdez 1998) gelöst werden: Nur wenn wir nicht-begriffliche (und damit vorsprachliche) Formen von Selbst-Repräsentationen annehmen, kann erklärt werden, wie eine sprachliche (und damit begriffliche) Selbstbezugnahme (im Sinne des Selbstbewusstseins) erlernt werden kann.

Wie aber kann eine implizite Selbstbezugnahme entstehen? Fast alle unsere Sinnesmodalitäten versorgen uns mit Informationen über uns selbst und über die Welt in gemischter Form. Wir sehen etwa nicht nur die Welt, sondern auch, wo wir selbst uns befinden. Wir tasten nicht nur die Oberfläche eines Objektes sondern spüren auch, wo unsere Hand ist. Um also überhaupt etwas in der Welt wahrnehmen zu können, müssen wir in der Lage sein, den selbst-bezogenen Anteil der Information aus dem Input "herauszurechnen". So können wir z.B. die Welt als statisch wahrnehmen, da wir die Bewegung unserer Augen aus den Daten herausrechnen (in besonderen Fällen, z.B. wenn wir uns mit dem Finger seitlich auf den Augapfel drücken, gelingt dies nicht, wie bereits Helmholtz 1866 feststellte). Wir haben also einen Mechanismus, der die Welt-Wahrnehmung von der Selbst-Wahrnehmung trennt. Auf diese Weise können bestimmte Eigenschaften von vorneherein als implizit selbst-bezogene Eigenschaften wahrgenommen werden, während andere Eigenschaften als Welt-Eigenschaften klassifiziert werden: Wir sehen das Grün von vornherein und implizit als Welt-Eigenschaft, aber wir spüren das Gewicht unseres Armes von vornherein und implizit als selbst-bezogene Eigenschaft. Diesen Mechanismus nenne ich die Selbst-Welt-Unterscheidung (siehe Vosgerau 2009a,b).

Auf Grund des unmittelbaren Selbstbezugs von nicht-begrifflichen Selbst-Repräsentationen können nun begriffliche Selbst-Repräsentationen gebildet werden, die sich dadurch auszeichnen, dass sie einen expliziten, analysierbaren Teil aufweisen, der für sich genommen das repräsentierende kognitive System selbst repräsentiert. Dabei ist wichtig, dass dieser Selbst-Teil genau den unmittelbaren Selbstbezug aufweist, den wir auch schon bei nicht-begrifflichen Repräsentationen finden - es handelt sich hierbei, wie oft gesagt wird, um das "begriffliche Selbst". Dieser unmittelbare Selbstbezug wird, wenn wir den Inhalt der Repräsentation in Sprache ausdrücken, gewöhnlich durch das Erste-Person-Pronomen "Ich" (oder Pronomina wie "mein") angezeigt. Auf dieser Stufe der Selbst-Repräsentation können Eigenschaften, die zunächst als Welt-Eigenschaften wahrgenommen wurden, in einem weiteren, expliziten Schritt mir selbst zugeordnet werden. So können Ich-Gedanken entstehen, die folgenden sprachlichen Ausdruck finden: "Ich sehe aus wie ein heruntergekommener Schulmeister", "Ich habe schwarze Haare", etc.

Auf der Ebene der Meta-Repräsentation können mentale Repräsentationen als die eigenen repräsentiert werden. Wie erfahren wir von unseren eigenen Repräsentationen? Normalerweise sind wir in der Lage, unsere eigenen Repräsentationen direkt zu erfassen - dieses Phänomen nennt man "Introspektion". Ich habe dafür argumentiert (Vosgerau2009a,b), dass Introspektion parallel zu "externer" Wahrnehmung aufgefasst werden kann. Demnach erhalten wir Informationen über (manche) unserer Repräsentationen, genauso wie wir durch unsere Sinnesorgane Informationen über uns und unsere Umwelt erhalten. Diese Information kann nun (nicht-begrifflich) klassifiziert5 werden - so wie wir lernen, beispielsweise rot und grün zu unterscheiden, können wir etwa lernen, Überzeugungen von Wünschen zu unterscheiden. Ein entscheidender Unterschied zwischen Wahrnehmung und Introspektion ist allerdings, dass die Informationen, die wir in der Introspektion erhalten, alle de facto selbstbezogen sind (wir können nicht die Repräsentationen von anderen Menschen introspezieren). Daher gibt es in der Introspektion auch keine Selbst-Welt-Unterscheidung oder irgendein Analogon. Das bedeutet, dass introspezierte Repräsentationen nicht automatisch als selbstbezogen klassifiziert werden; es besteht also kein impliziter, unmittelbarer Selbstbezug. Vielmehr besteht auf dieser Stufe überhaupt kein Bezug, weder zu mir noch zu irgendjemand anders. Streng genommen handelt es sich daher gar nicht um Selbst-Repräsentationen. Dies lässt sich in der natürlichen Sprache am besten durch eine unpersönliche Formulierung beschreiben: "Dies [die repräsentierte Repräsentation] ist ein Wunsch".

Bisher hatten wir allerdings nur von nicht-begrifflichen Meta-Repräsentationen gesprochen, die auf einer nicht-begrifflichen Klassifikation des introspektiven Inputs beruhen. Aber auch auf der Ebene der Meta-Repräsentationen kann eine begriffliche Stufe ausgebildet werden, die es erlaubt, den repräsentierten Repräsentationen explizit Träger zuzuordnen. Um dies tun zu können, muss allerdings verstanden werden, dass mentale Repräsentationen Menschen gehören - es muss verstanden werden, dass andere Menschen andere mentale Repräsentationen haben als ich. Mit anderen Worten: für die Ausbildung von begrifflichen Meta-Repräsentationen ist eine Theory of Mind notwendig. Die Fähigkeit, zwischen den eigenen und fremden Repräsentationen unterschieden zu können, kann durch den sog. "False-Belief-Task" (Wimmer & Perner 1983) getestet werden. Erst wenn Kinder in der Lage sind, anderen Menschen falsche Überzeugungen zuzuschreiben, kann man gesichert davon ausgehen, dass sie im vollen Sinne verstanden haben, dass unterschiedliche Menschen (inkl. sie selbst) unterschiedliche mentale Repräsentationen haben. Wenn diese Fähigkeit vorliegt, können begriffliche Meta-Repräsentationen gebildet werden, bei denen mentale Repräsentationen sich selbst oder auch anderen zugeschrieben werden können.6

Die Stufentheorie der Selbst-Repräsentation hat nicht nur den Vorteil, dass sie unterschiedliche Effekte auf den unterschiedlichen Stufen elegant erklären kann (vgl. Vosgerau 2009a,b), sondern auch, dass sie das Grundproblem des unmittelbaren Selbstbezugs bereits auf einer Stufe lösen kann, die normalerweise in Diskussionen um das Selbstbewusstsein nicht in den Blick genommen wird. Darüberhinaus hat die Theorie nicht nur Plausibilität in Bezug auf das voll ausgebildete Selbstbewusstsein von erwachsenen Menschen, sondern sie kann systematisch entwicklungspsychologische wie evolutionäre Aspekte miteinbeziehen. So können etwa die grundlegenden Formen der nicht-begrifflichen Selbst-Repräsentation schon in so "einfachen" Tieren wie Ameisen gefunden werden. Das Phänomen des menschlichen Selbstbewusstseins stellt sich demnach dar als ein sich entwickelndes Phänomen, was eine Vielzahl von Vorstufen auch in der menschlichen Entwicklung hat. Dabei bleiben die grundlegenden Repräsentationsformen immer erhalten und spielen weiterhin auch für den erwachsenen Menschen einen zentrale Rolle.

Ich möchte nun auf zwei spezielle Anwendungen der Stufen-Theorie kommen: Eine mögliche Analyse von Autismus und eine Analyse der Symptome Fremdbeeinflussung und Gedankeneingebung bei Schizophrenen.

3. Theory of Mind und Autismus

Autismus (und Asperger Syndrom) werden generell als Krankheitsbilder aufgefasst, bei denen eine Störung der Fähigkeit, anderen Menschen mentale Zustände zuzuschreiben, vorliegt (vgl. z.B. Baron-Cohen et al. 1984, Frith 1989). Es wird davon ausgegangen, dass die betroffenen Patienten Schwierigkeiten haben, eine Theory of Mind zu erlernen. Interessanterweise sind zumindest einige Asperger-Patienten aber in der Lage, eine Theory of Mind explizit zu lernen und auch mit einigem Erfolg anzuwenden (so können beispielsweise viele dieser Patienten den False-Belief-Task nach entsprechendem Training meistern). Das prinzipielle Problem scheint also nicht zu sein, dass eine Theory of Mind nicht erlernt werden kann, sondern dass dieses Erlernen ein anstrengender und aufwendiger Prozess ist. Im Gegensatz dazu erwerben gesunde Kinder dieselbe Fähigkeit scheinbar mühelos und ohne das Lernen von expliziten Regeln.

Eine mögliche Erklärung dieses Phänomens besagt, dass die Theory of Mind bei Autisten tatsächlich eine Theorie ist, die explizit gelernt werden muss so wie die Physik, während gesunde Kinder keine Theorie in diesem Sinne erwerben, sondern andere Techniken zur Verfügung haben, wie etwa die Fähigkeit zur Simulation (vlg. Goldman 2006). Solche Simulations-Theorien haben allerdings den entscheidenden Nachteil, dass sie voraussetzen müssen, dass die eigenen mentalen Zustände auch als solche erfasst werden - wie der Selbstbezug für introspektiv erfasste mentale Zustände entsteht, bleibt bei diesem Ansatz völlig offen. Viel plausibler scheint daher, den Erwerb einer Theory of Mind tatsächlich ganz parallel zum Erwerb anderer "Theorien" zu verstehen: Genauso, wie Kinder eine "Alltagsphysik" lernen, die ihnen hilft, physikalische Ereignisse und Begebenheiten besser zu verstehen, erlernen sie eine "Alltagspsychologie", die ihnen hilft, das Verhalten anderer und soziale Interaktionen zu verstehen. Dabei handelt es sich tatsächlich um eine Theorie im minimalen Sinne, nämlich einer Menge von Sätzen, die untereinander durch inferentielle Beziehungen verbunden sind. Allerdings ist diese Theorie - genau wie die Alltagsphysik - nicht der Art Theorien, die man in Lehrbüchern finden wird.

Diese These wird weiter gestützt durch folgende Beobachtungen: Die Wörter, die wir für mentale Zustände gebrauchen ("denken", "wünschen", ...) haben dieselbe Bedeutung unabhängig davon, ob sie in der ersten Person oder der dritten Person gebraucht werden. Wenn uns mentale Zustände nur aus der Perspektive der ersten Person vertraut wären, wäre dieses Phänomen schwer zu erklären (vgl. Röska-Hardy 2005). Leicht erklärbar ist es aber, wenn man davon ausgeht, dass die Theory of Mind (und damit die entsprechenden Wörter) tatsächlich in Erklärungssituationen des Alltags sprachlich vermittelt gelernt werden. Die Kinder lernen also nicht die Bedeutung von bspw. "denken" dadurch, dass sie auf ihre eigenen mentalen Zustände verwiesen werden, sondern dadurch, dass das Verhalten Anderer mit solchen Konzepten erklärt werden kann. Im gleichen Zuge lernen sie auch, die Begriffe auf ihre eigenen mentalen Zustände anzuwenden, mit denen sie obendrein introspektive "Bekanntschaft" haben. Die Sprachabhängigkeit der Theory of Mind konnte weiterhin empirisch belegt werden (Rakoczy, Tomasello & Striano 2006).

Entscheidend ist, dass der Selbstbezug von nicht-begrifflichen Meta-Repräsentationen, der zunächst nur de facto vorhanden ist, erst mit Erlernen einer Theory of Mind erkannt werden kann. Andersherum bedeutet es aber auch, dass das Erlernen einer Theory of Mind aufbauen kann auf der schon zur Verfügung stehenden Fähigkeit zur Introspektion - die Kinder müssen nicht mühsam theoretische Konstrukte erlernen, sondern sie sind in der Lage, auf ihr introspektives Wissen aufzubauen und die alltagspsychologischen Erklärungen auf das Erleben ihrer eigenen Zustände zu beziehen. Wenn diese introspektive Bekanntschaft mit den de facto eigenen mentalen Zuständen fehlt, dann wird das Erlernen einer Theory of Mind zu einer komplexen Aufgabe, bei der die eingeführten Begriffe nur noch über die theoretische Ebene verstanden werden können (parallel zum Erlernen einer wissenschaftlichen Physik, bei der Begriffe wie "Elektron" oder "Impuls" mühsam erlernt werden müssen).

Die These, die ich vertreten möchte, lautet also, dass Autisten in erster Linie eine Störung in der Introspektion haben, also in der basalen Fähigkeit, die eigenen mentalen Zustände zu erfassen und nicht-begrifflich zu klassifizieren.7 Diese Schwierigkeit bringt es mit sich, dass das spätere Erlernen einer Theory of Mind zu einer mühsamen und für viele nicht zu bewältigenden Aufgabe wird, da ein intuitives (nicht-begriffliches) Verständnis der eingeführten mentalen Begriffe fehlt.

4. Fremdbeeinflussung und Gedankeneingebung

Die positiven Symptome der Fremdbeeinflussung und der Gedankeneingebung bei Schizophrenen werden ebenfalls gewöhnlich als Störung des Selbst bzw. Selbst-Bewusstseins gedeutet (Symptome 1. Ranges nach Schneider 2007). Patienten, die unter Fremdbeeinflussung leiden, haben das Gefühl, dass manche ihrer Handlungen nicht von Ihnen selbst verursacht und gesteuert werden, sondern dass sie von anderen Menschen oder Mächten "ferngesteuert" werden - sie fühlen sich nicht als Urheber ihrer Handlungen. Ähnlich bei Patienten mit Gedankeneingebung: Sie haben den Eindruck, dass manche ihrer Gedanken nicht von ihnen selbst stammen, sondern von anderen Menschen oder Mächten in ihren Geist bzw. Kopf eingegeben werden - sie fühlen sich nicht als Autoren ihrer Gedanken. Beide Symptome zeichnen sich also vor allem durch zwei Komponenten aus: Ein Gefühl der Fremdheit von Handlungen / Gedanken ("Gefühl des Gemachten", Jaspers 1973), und eine fälschliche Fremdzuschreibung der Urheberschaft / Autorenschaft der eigenen Handlungen / Gedanken.

Ein in der kognitiven Neurowissenschaft weit verbreitetes Modell zur Erklärung dieser Symptome ist das sogenannte Comparator-Modell (Frith 1992), das ursprünglich ein Modell der Bewegungssteuerung darstellt und zurückgeht auf von Holst & Mittelstaedt (1950) und Sperry (1950). Die Grundidee dabei ist, dass Bewegungen durch Motor-Intentionen ausgelöst werden, die den erwünschten Zielzustand repräsentieren. Auf der Basis dieser Intention wird dann ein Motor-Kommando erstellt, das an die Effektoren gesendet wird. Gleichzeitig wird aus diesem Motor-Kommando eine Kopie (sog. "Efferenzkopie") erstellt, die zusätzlich eine Vorhersage über die Bewegung erlaubt. Der vorhergesagte Zielzustand kann dann, nach der Bewegung, mit dem tatsächlich wahrgenommenen Zustand verglichen werden, und etwaige Differenzen können für unterschiedliche Zwecke weiterverarbeitet werden (z.B. für motorisches Lernen oder für Korrekturen während der Bewegung).

Es wird nun behauptet, dass eine Übereinstimmung zwischen vorhergesagtem Zustand und tatsächlich wahrgenommenen Zustand den "Sinn" für Urheberschaft ("sense of agency") herstellt, während die Feststellung einer Differenz zur Fremdzuschreibung der Urheberschaft führt, so wie sie bei Schizophrenen zu beobachten ist. An diesem einfachen Modell ist sehr viel Kritik geübt worden, auf die ich nicht im Einzelnen eingehen will (siehe Synofzik, Vosgerau & Newen 2008a,b). Ich möchte hier lediglich den Punkt herausheben, dass die Unterscheidung zwischen Urheberschaft und Nicht-Urheberschaft, die am Comparator getroffen wird, keine begriffliche Unterscheidung sein kann. Der Comparator kann lediglich registrieren, ob der Zielzustand einer Bewegung tatsächlich erreicht wurde oder nicht. Das so generierte Signal trägt also höchstens die Information, ob meine Bewegung "glatt" ging oder ob Störfaktoren die Bewegung beeinflussten.8 Was allerdings nicht von dem Comparator geleistet werden kann, ist, eine Zuschreibung von Urheberschaft vorzunehmen, und zwar weder eine Zuschreibung zu mir noch zu Anderen (der Comparator kann unmöglich anhand des Vergleichs von meiner Intention und dem Ergebnis der Handlung ablesen, dass z.B. Peter und nicht Klaus die Handlung ausgeführt hat).

Der Grund hierfür liegt in der Tatsache, dass es sich bei der Registrierung des Comparators um eine nicht-begriffliche Repräsentation handelt: es wird lediglich ein Zustand registriert (Ziel erreicht vs. Ziel nicht erreicht). In diesem Signal (das technisch lediglich einen Differenzwert darstellt) sind allerdings keine Teile analysierbar, insbesondere keine Teile, die für sich genommen für irgendein Objekt oder gar das Subjekt stehen würden. Die Information über die Bewegung, die so generiert wird, ist daher eine lediglich implizit selbstbezogene Information - sie kann niemals eine explizite Zuschreibung von Urheberschaft darstellen. Anders ausgedrückt: Der Comparator kann höchstens den Unterschied zwischen "Ich bin der Urheber" und "Ich bin nicht der Urheber" machen (wobei der Ich-Teil lediglich implizit enthalten ist); auf dieser Stufe der Bewegungssteuerung kann allerdings keine Fremdzuschreibung erfolgen - ich kann nicht "fühlen", dass z.B. Chris mich fernsteuert. Ich möchte diese nicht-begriffliche Ebene der Urheberschaftsrepräsentation das Gefühl der Urheberschaft nennen (vgl. Synofzik et al. 2008a,b). Ohne Zweifel haben Schizophrene auf der Ebene des Gefühls der Urheberschaft Anomalien: manche ihrer Bewegungen fühlen sich nicht so an, also ob sie sie selbst verursacht hätten und als ob sie von ihnen selbst kontrollierbar wären.

Tatsächlich aber nehmen Schizophrene Fremdzuschreibungen vor. Das Comparator-Modell alleine kann also das Phänomen der Fremdbeeinflussung nicht vollständig erklären. Hinzu kommt, dass die Fremdzuschreibung wahnhaft ist: Die betroffenen Patienten halten an ihrer Zuschreibung fest, obwohl ihnen widersprechende Evidenzen und weit bessere Erklärungen zur Verfügung stehen (etwa die Erklärung des Arztes, dass das "komische" Gefühl auf eine Krankheit zurückzuführen ist). Auch dieser Aspekt der Wahnhaftigkeit der Fremdbeeinflussung kann durch das Comparator-Modell nicht erfasst werden. Vielmehr müssen wir zur Erklärung der Fremdzuschreibung und der Wahnhaftigkeit auf die Ebene der begrifflichen Urheberschaftsrepräsentationen gehen - hier ist eine explizite Zuschreibung von Urheberschaft zu mir und zu Anderen möglich. Diese Ebene ist aber die Ebene der Urteile, so dass ich die entsprechende Ebene die der Urheberschaftsurteile nennen möchte (siehe auch Synofzik et al. 2008a,b). In den meisten Alltagssituationen dürften unsere Urheberschaftsurteile mit unserem Gefühl der Urheberschaft übereinstimmen. Dass sie trotzdem unterschieden werden müssen, zeigt folgendes Beispiel (vgl. de Vignemont & Fourneret 2004): Stellen Sie sich vor, Sie sind allein in einem Raum, in dem eine Vase steht. Plötzlich fällt diese Vase um. Sie haben nicht das Gefühl, dass Sie an die Vase gestoßen wären oder dass Sie auf irgendeine andere Art die Vase zu Fall gebracht hätten. Sie haben also kein Gefühl der Urheberschaft. Trotzdem werden Sie wahrscheinlich zu dem Schluss kommen, dass Sie das Fallen der Vase verursacht haben, da Sie allein im Raum sind (und andere Faktoren wie Windstöße ausgeschlossen werden können). Sie bilden also das Urteil aus, dass Sie der Urheber dieses Ereignisses waren, obwohl das entsprechende Gefühl nicht vorhanden ist. Hierbei wird also eine explizite (d.h. begriffliche) Zuschreibung von Urheberschaft vorgenommen, die nicht mit dem impliziten (nicht-begrifflichen) Gefühl übereinstimmt: Obwohl Sie nicht das Gefühl haben, an dem Sturz der Vase Schuld zu sein, glauben Sie trotzdem, dass Sie den Sturz verursacht haben.

An diesem Beispiel wird schon eine Eigenheit von Urheberschaftsurteilen deutlich: Sie werden gebildet auf der Grundlage von Schlussfolgerungen, in die nicht nur das Gefühl der Urheberschaft eingeht, sondern auch andere Überzeugungen (dass Sie allein im Raum sind, dass Vasen nicht von selbst umfallen, etc.). Diese Urteilsbildung dient dazu, eine Erklärung zu finden für die Vorgänge um einen herum. In eindeutigen Situationen brauchen wir eine solche Erklärung nicht - hier können wir uns ganz auf unser Gefühl verlassen und tun dies meistens auch. In Situationen, wo allerdings das Gefühl nicht eindeutig ist oder das Gefühl deutlich anderen Überzeugungen widerspricht, sind wir gezwungen, durch weiteres "Nachdenken" zu einem erklärenden Urteil zu kommen. Im Fall von Schizophrenen ist das Gefühl der Urheberschaft gestört, so dass sich manche ihrer Bewegungen ungewöhnlich "anfühlen". Sie sind also sehr viel häufiger in der Lage, Erklärungen finden zu müssen. Eine mögliche Erklärung für die eigenen Bewegungen, die sich komisch anfühlen, ist, dass diese Bewegungen gar nicht die eigenen sind (im Sinne der Urheberschaft), sondern dass jemand anders diese Bewegungen verursacht und steuert. Insofern ist die Urteilsbildung der betroffenen Patienten zunächst nicht abwegig. Wenn die Urteilsbildung der Schizophrenen allerdings völlig ungestört abliefe, so wären die dabei gebildeten Überzeugungen der Fremdbeeinflussung revidierbar. Schizophrene würden sich also von ihrem Arzt überzeugen lassen, dass sie gar nicht ferngesteuert werden, sondern dass sie lediglich eine Krankheit haben, die zu anormalen Urheberschafts-Gefühlen führt. Wir müssen also davon ausgehen, dass der Prozess der Urteilsbildung bei Schizophrenen ebenfalls gestört ist, was zur Wahnhaftigkeit der Fremdzuschreibung führt. Tatsächlich lassen sich auch Patienten finden, die vermutlich ein ganz ähnlich gestörtes Gefühl der Urheberschaft haben, die aber keine falschen und wahnhaften Fremdzuschreibungen vornehmen (z.B. deafferenzierte Patienten; siehe Synofzik et al. 2008a; Farrer et al. 2003).

Es zeigt sich also, dass die Beschreibung des Phänomens der Urheberschaft und dessen pathologischer Störungen eines Mehr-Ebenen-Modells bedarf. Die Stufentheorie des Selbstbewusstseins stellt ein solches Modell zur Verfügung, indem zwei Stufen systematisch voneinander getrennt werden können, nämlich eine nicht-begriffliche Ebene des Gefühls der Urheberschaft und eine begriffliche Ebene der Urheberschaftsurteile. Beide Ebenen zeigen sich beim Symptom der Fremdbeeinflussung gestört, so dass eine umfassende Beschreibung und Erklärung dieser Störung sich nicht auf eine Ebene beschränken kann. Insbesondere muss auch bei der Behandlung solcher Störungen auf beide Ebenen eingegangen werden: Zum einen sollte die gestörte Bewegungswahrnehmung der Patienten in den Blick genommen werden (was v.a. durch pharmakologische Behandlung geschieht), zum anderen darf aber auch die Störung in den Urteilsbildungsprozessen nicht außer Acht gelassen werden (eine mögliche Therapieform beschreiben Moritz & Woodward 2007).

Im Fall von Gedankeneingebung verläuft die Analyse, die ich vorstellen möchte, ganz parallel. Tatsächlich wurde auch von verschiedenen Autoren vorgeschlagen, Gedanken als Motor-Prozesse aufzufassen und demnach dieses Phänomen ebenfalls durch das Comparator-Modell zu erklären (Frith 1992, Campbell 1999). Für diese Anwendung des Comparator-Modells entstehen allerdings zusätzliche Problem, auf die ich hier nicht im Detail eingehen möchte (siehe Vosgerau & Newen 2007). Erwähnt sei hier nur, dass jedem Gedanken eine "Zielvorstellung" dieses Gedankens vorangehen müsste, mit der dann der tatsächlich gedachte Gedanke verglichen werden könnte. Es bleibt zunächst völlig unklar, was eine solche Zielvorstellung sein könnte - aber auch bei genauerem Hinschauen lässt sich keine plausible Interpretation dieser Forderung finden (Vosgerau & Newen 2007). Weiterhin bleibt das Problem, dass ein solcher "Gedanken-Comparator" höchstens eine nicht-begriffliche Unterscheidung zwischen "Ich bin der Autor" und "Ich bin nicht der Autor" machen könnte, aber niemals die Fremdzuschreibung der Autorenschaft von Gedanken erklären könnte.

Wie oben ausgeführt, kann der de facto bestehende Selbstbezug von introspezierten Gedanken nicht, wie bei der Wahrnehmung, einfach miterfasst werden. Mit anderen Worten: Die Repräsentation eines introspezierten Gedankens ist (auf der nicht-begrifflichen Ebene) gar nicht selbstbezogen, nicht einmal implizit. Normalerweise reicht also unsere Überzeugung, dass wir nur unsere eigenen Gedanken introspezieren können, dazu aus, zu der Überzeugung zu gelangen, dass dieser gerade introspezierte Gedanken unser Gedanke ist. Wenn wir allerdings in Situationen sind, in denen wir Gedanken fassen, von denen wir nicht die Autoren sind (wie z.B. beim Lesen von Texten oder in Vorträgen), reicht unsere Hintergrundüberzeugung, dass wir diese Gedanken sprachlich vermittelt bekommen haben, aus, um die Autorenschaft dem Schreiber bzw. Sprecher zuzuschreiben.

Wie also kann das Phänomen der Gedankeneingebung gedeutet werden? Es liegt nahe, auch bei Gedankeneingebung davon auszugehen, dass ein "komisches" Gefühl auf einer nicht-begrifflichen Ebene vorliegt. Dieses Gefühl kann auf Grund von verschiedenen Faktoren entstehen. In Frage kommen z.B. eine starke emotionale Ablehnung des Inhalts, ein Gefühl der fehlenden kognitiven "Anstrengung" beim Bilden des Gedankens, etc. (vgl. auch Vosgerau 2009a). Diese Faktoren müssen allerdings Spekulation bleiben, da es meines Wissens bisher keine systematische Untersuchung solcher Faktoren für eingegebene Gedanken gibt ("a surprising lack of data", Frith 2004). Festzuhalten ist, dass auch bei Gedankeneingebung eine Störung auf der nicht-begrifflichen Ebene vorliegt, die zu einem "komischen" Gefühl in Bezug auf manche Gedanken bei den Patienten führt. Dieses komische Gefühl bedingt die Suche nach einer Erklärung - ein Urteilsbildungsprozess wird angestoßen, der zu der zunächst plausiblen Erklärung führt, dass die Patienten tatsächlich nicht die Autoren ihrer de facto eigenen Gedanken sind. Wie auch bei Fremdbeeinflussung ist dieser Urteilsbildungsprozess gestört, so dass die Fremdzuschreibung der Autorenschaft wahnhaft wird. Ein weiterer Grund, diese beiden Ebenen zu trennen, ist das Phänomen der intrusiven Gedanken, die plausiblerweise beschrieben werden können als solche Gedanken, die auf der Gefühls-Ebene genauso "komisch" sind wie eingegebene Gedanken, deren Autorenschaft allerdings nicht irrtümlicherweise Anderen zugeschrieben wird. Ein komisches Gefühl führt also auch bei Gedanken nicht automatisch zu einer wahnhaften Fremdzuschreibung.

Ein Zwei-Stufen-Model, das wenigstens in der Lage ist, zwischen einem nicht-begrifflichen Gefühl der Urheberschaft bzw. Autorenschaft und einem begrifflichen Urteilsbildungsprozess zu unterscheiden, ist also sowohl für Urheberschaft als auch für Autorenschaft unumgänglich.9 Die Stufen-Theorie des Selbstbewusstseins leistet genau diese Unterscheidung und trägt damit zu einer besseren Beschreibung und Erklärung dieser Aspekte des Selbstbewusstseins bei. Zusätzlich können pathologische Störungen dieser Aspekte besser analysiert werden.

5. Zusammenfassung und Ausblick

Die Stufen-Theorie des Selbstbewusstseins unterscheidet systematisch zwischen verschiedenen Stufen von Selbstbewusstsein, die aufeinander aufbauen. Sie ist dadurch in der Lage, die eigentümliche direkte Selbstbezüglichkeit von selbstbewussten Zuständen zu erklären, da sie diese direkte Selbstbezüglichkeit auf einer basalen Stufe verortet. Zudem nimmt sie systematisch die Entwicklungsperspektive auf Selbstbewusstsein ein: So kann nicht nur die Entwicklung des Selbstbewusstseins in ontogenetischer Hinsicht plausibel gemacht werden, sondern auch phylogenetische Entwicklungsstufen können systematisch in den Blick genommen werden.

Darüber hinaus leistet die Stufen-Theorie einen entscheidenden Beitrag zum besseren Verständnis ganz verschiedener Aspekte des Selbstbewusstseins (Vosgerau 2009a). In diesem Beitrag wurden die Urheberschaft von Bewegungen sowie die Meinigkeit und die Autorenschaft von Gedanken besonders in den Blick genommen. Es zeigt sich, dass die Unterscheidung zwischen den verschiedenen Stufen hier fruchtbar gemacht werden kann zum besseren Verständnis dieser Aspekte bei gesunden Menschen. Darüber hinaus liefert die Theorie ein differenzierteres Bild der spezifischen Störungen dieser Aspekte, so wie sie bei Autismus und Schizophrenie zu finden sind.

Innerhalb dieses Rahmens bleiben freilich noch viele Fragen offen: Eine genaue Beschreibung der Mechanismen, die der Introspektion zu Grunde liegen, muss ebenso erfolgen wie eine genaue Untersuchung des Gefühls der Urheberschaft und der Autorenschaft, sowie der Urteilsbildungsprozesse. Vieles deutet darauf hin, dass das Gefühl der Urheberschaft nicht auf einen einfachen Mechanismus wie einen Comparator zurückgeführt werden kann. Vielmehr scheint es hier viele verschiedene Faktoren zu geben, die je nach Kontext gewichtet werden und gemeinsam ein Gefühl konstituieren (Synofzik et al. 2008b). Ähnlich wird es sich wahrscheinlich bei dem Gefühl gegenüber Gedanken verhalten - auch hier ist es wahrscheinlich, dass ganz verschieden Faktoren beitragen zu dem komischen Gefühl, was eingegebene Gedanken begleitet (Vosgerau 2009a). Das Hauptproblem bei der Erklärung der Störungen in der Urteilsbildung scheint im Moment zu sein, dass die Störungen sehr "lokal" auftreten und bei weitem nicht alle Gedanken erfassen: Typischerweise sind Schizophrene nicht in Bezug auf alle ihre Überzeugungen wahnhaft, sondern nur in Bezug auf ganz bestimmte.

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Endnoten

1 Bloß zufällig selbst-bezogene Gedanken unterscheiden sich nicht wesentlich von Gedanken über andere Personen und Objekte und sind daher irrelevant für das Phänomen Selbstbewusstsein. Der Gedanke "Der Lotto-Gewinner ist ein glücklicher Mensch", z.B., hat die gleichen Eigenschaften (bzgl. des Inhalts, der Struktur und der kognitiven Rolle), wenn er tatsächlich von N.N. handelt, oder wenn er von Ihnen selbst handelt ohne dass Sie das wissen. Erst in dem Moment, in dem Sie erfahren, dass Sie der Lotto-Gewinner sind, wird der Gedanke zu einem selbstbewussten Gedanken, der dann auch eine ganz andere kognitive Rolle für Sie einnimmt.

2 Es ist durchaus plausibel anzunehmen, dass viele unserer bewussten Wahrnehmungen zusätzlich durch Begriffe beeinflusst sind.

3 Da Repräsentationen typischerweise nur einen Teil der tatsächlich vorhandenen Struktur abbilden, sollte von einem partiellen Isomorphismus ausgegangen werden, wobei der relevante Teil der Struktur des Repräsentierten bestimmt wird durch die Funktion, in der die Repräsentation das Repräsentierte vertritt (Details in Vosgerau 2006).

4 Ein Nadelstich kann z.B. einen Schmerz bei mir verursachen. Wir können nun sagen, dass der Schmerz den Nadelstich repräsentiert (bzw. die dadurch entstandene Verletzung). Dass dieser Schmerz allerdings mein Schmerz ist, kann nicht auf Grund dieser Verursachung allein erfasst werden. Hierzu benötigen wir weiterer Faktoren (etwa die Repräsentation, dass mein Arm ein Teil von mir ist), die wir erst auf der Ebene der Wahrnehmungsrepräsentationen finden. In diesem Sinne ist also auch eine Repräsentation meiner Schmerzen erst auf dieser höheren Stufe zu finden (Details hierzu in Vosgerau 2009a).

5 Es handelt sich hierbei lediglich um eine Klassifikation, die nicht auf Begriffen beruht (wie etwa auch beim Rot-Detektor). Davon zu unterscheiden sind begriffliche Einordnungen, die gewöhnlich Kategorisierung genannt werden. ("Kategorie" (aus dem Griechischen), "Konzept" (aus dem Lateinischen) und "Begriff" bedeuten grundsätzlich das Gleiche, wobei es Nuancen in der Konnotation gibt.)

6 In Vosgerau 2009b wird die Struktur von Meta-Repräsentationen im Detail beschrieben, wobei hier verschiedene mögliche Fehlerquellen der involvierten Repräsentationen berücksichtigt werden. Diese Unterscheidung knüpft an an eine sprachphilosophische Unterscheidung von Shoemaker (1986) auf Grund des "Fehlers durch Fehlidentifikation", auf die hier nicht weiter eingegangen werden kann. Interessierte Leser seien auf den Aufsatz Vosgerau (2009b) verwiesen.

7 Genau in diesem Punkt weiche ich ab von anderen Interpretationen, die bei Autismus zwar auch eine primäre Störung des Selbstbewusstseins sehen (im Gegensatz zu einer bloßen Störung des "Anderen"-Bewusstseins; vgl. z.B. Frith 1989), indem ich die Störung in der basalsten Form, zu einem Bewusstsein über die eigenen mentalen Zustände zu kommen, - die streng genommen gar kein Selbstbewusstsein darstellt (siehe oben) - verorte.

8 Dies gilt streng genommen nur für schon sehr gut eingeübte Bewegungen, für die keine Optimierung mehr nötig ist.

9 Vgl. auch Davies, Coltheart, Langdon, Breen 2001.



Jun.-Prof. Dr. Gottfried Vosgerau
Philosophisches Institut
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Universitätsstr. 1
40225 Düsseldorf
Tel.: +49-(0)211-81-15763
Fax: +49-(0)211-81-15764
Gottfried.Vosgerau@uni-duesseldorf.de
www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/philo/

Gottfried Vosgerau ist Junior-Professor für Philosophie des Geistes und der Kognition an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf; Forschungsschwerpunkte: Selbstbewusstsein, mentale Repräsentationen, Kognition und Sprache, "Grounded Cognition".




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